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5 Jahre Ökumenische Wassererklärung: Es bleibt viel zu tun

5 Jahre Ökumenische Wassererklärung: Es bleibt viel zu tun

Bischof Flavio Luiz Cappio in Barra (Brasilien), wo der Rio Grande in den São Francisco mündet. Bild: fridolinwalcher.ch

01. Januar 2001

Bischof Flavio Luíz Cappio berichtet in Bern anlässlich des Jubiläums der Brasilianisch-Schweizer Initiative über Megaprojekte der brasilianischen Regierung mit katastrophalen Folgen für die betroffene Bevölkerung.

“Die Situation ist ernst und verlangt von uns Reflektion mit grosser Ernsthaftigkeit und Verantwortlichkeit. Sie erfordert Bewusstsein, damit wir gegen die Zerstörung von unseren Flüssen, unseren Wäldern, unseren Menschen und gegen die Arroganz und die Gier derer kämpfen mögen, die alles zu wirtschaftlichen Zwecken in Waren und in eine Währung des Austausches umwandeln möchten.”

Mit diesen Worten wandte sich der brasilianische Bischof Flavio Luiz Cappio vergangenen Woche an seine Zuhörer in Bern. Anlässlich des 5-jährigen Jubiläums der Ökumenischen Wassererklärung hatten Brot für alle, Fastenopfer, HEKS, Justitia et Pax, sowie die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn gemeinsam zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Der Streit ums Wasser und die Kirchen“ eingeladen.

Bischof Flavio Luiz Cappio kämpft seit mehreren Jahren gegen die Umleitung des Rio Sao Francisco im Nordosten Brasiliens. Bereits zweimal trat er als Zeichen des friedlichen Widerstands in den Hungerstreik. Wie auch andere Kritiker befürchtet Dom Cappio, dass vor allem die brasilianische Agrarindustrie von dem Grossprojekt profitieren wird, mit fatalen Folgen für die Umwelt und die Bevölkerung, deren Lebensgrundlage der Fluss darstellt.

Bischof Cappio beschrieb eindrücklich die verzweifelte Lage der Menschen im Sao Francisco Tal und verortete das Geschehen vor Ort als Teil einer globalen Krise. Diese sollte uns laut Cappio bewusst machen, dass der blinde Fortschrittsglaube zur Unterentwicklung vieler Völker geführt hat und das Leben der ganzen Erde bedroht.

 „Es gibt nachhaltige Alternativen, von denen die Ärmsten direkt profitieren würden,“ betonte der Bischof, der der Diözese Barra vorsteht, einer sehr armen Gegend am Mittellauf des Flusses. Doch kritische Stimmen aus Wissenschaft, Kirche, und anderer zivilgesellschaftlicher Bewegungen und Organisationen würden von der Regierung ignoriert.

Vor diesem Hintergrund begrüsste Bischof Cappio die Ökumenische  Wassererklärung, welche vor fünf Jahren gemeinsam von katholischen und evangelischen Kirchen aus Brasilien und der Schweiz angenommen wurde. In ihr fordern sie die Anerkennung von Wasser als öffentliches Gut und Menschenrecht und verpflichten sich selbst zu entsprechendem politischen Engagement.

Antonio Hautle, Direktor des katholischen Hilfswerks Fastenopfer, dankte Bischof Cappio im Namen der Schweizer Bischofskonferenz für sein “prophetisches Engagement in unserer Zeit”. Gleichzeitig brachte er die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Kirchen in der Schweiz und in Brasilien ihre „Möglichkeiten des Engagements gegen Armut und Ungerechtigkeit erkennen und tatsächlich auch kreativ und mutig nutzen“ mögen.

Stimmen aus dem Publikum forderten eine noch stärkere und kritischere  Auseinandersetzung der Schweizer Kirchen mit Kommerzialisierungstrends und vor allem auch mit den Aktivitäten von grossen Schweizer Unternehmen, wie zum Beispiel Nestlé.

Otto Schäfer vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund bekräftigte das fortbestehende Engagement der ursprünglichen Unterzeichner. Ein Ziel für die Zukunft sei, weitere Kirchen aus anderen Ländern für die Unterstützung der Erklärung zu gewinnen. Daneben müsse man aber auch verstärkt versuchen, die Umsetzung der Erklärung in Politik und Wirtschaft sowie den Kirchen selbst zu fördern.

„Die ursprünglich von den Schweizer und brasilianischen Kirchen initiierte Erklärung ist ein inspirierendes Beispiel für die ökumenische Zusammenarbeit von Kirchen im Süden und Norden,“ kommentierte Maike Gorsboth vom internationalen Ökumenischen Wassernetzwerk am Ökumenischen Rat der Kirchen. „Aber es bleibt noch viel zu tun. Wir hoffen, dass noch viele weitere Kirchen sich ihr anschliessen und sich gemeinsam für Ihre Umsetzung einsetzen werden.“

Die Ökumenische Wassererklärung wurde ursprünglich vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), dem Ökumenischen Rat Christlicher Kirchen Brasiliens und der Katholischen Bischofskonferenz Brasiliens unterzeichnet. Mittlerweile haben auch die Bischofskonferenzen in Belgien und Griechenland die Ökumenische Wassererklärung angenommen.

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