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Auf dem Weg zu einer Öko-Theologie

Auf dem Weg zu einer Öko-Theologie

Raul Estrada Oyuela

01. Januar 2001

Von Marcelo Schneider (*)

Im Zuge des Klimawandels wird sich auch die Welt in dramatischer Weise verändern, und vielfach zum Schlechteren. So lautet eine heute allgemein akzeptierte Grundannahme.

Was bedeutet dieser oft schnelle Wandel für Christen, deren Glaube eng mit der Schönheit und Herrlichkeit von Gottes Schöpfung verbunden ist, aber herausgefordert wird, wenn diese Schöpfung beschädigt und unumkehrbar verändert wird?

Ist die heutige theologische Reflexion der Kirchen über Schöpfungsverantwortung und Klimawandel vorbereitet auf die schnellen Veränderungen von Windströmungen, Wetterverhältnissen und dem Leben auf der Erde, so wie wir und unsere Großeltern es gekannt haben?

Diese Fragen haben verschiedene Kirchen in Argentinien dazu bewogen, sich auf einem Seminar vom 28. bis 29. März an der evangelischen theologischen Hochschule Instituto Universitario ISEDET in Buenos Aires mit dem Thema „Christlicher Glaube und Ökologie: auf dem Weg zu einer öko-ökumenischen Theologie“ auseinanderzusetzen.

Die Veranstaltung wurde vom ISEDET, der nichtstaatlichen Reflexionsgruppe für ländliche Belange mit Sitz in Argentinien und dem Christlichen Studentenweltbund (WSCF), Region Lateinamerika und Karibik, organisiert und vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und der Vereinigten Kirche von Kanada unterstützt.


Sorge um die Natur als unbedingte Notwendigkeit

„Klimaveränderungen treten sehr schnell ein und haben erstaunliche Konsequenzen“, erklärte der argentinische Biologe Dr. Alfredo Salibian in seiner Ansprache vor der Gruppe. „Wir erleben Veränderungen in unserem eigenen Leben, und zwar nicht nur im Verhältnis zum Lebensumfeld unserer Eltern oder Großeltern, sondern auch zu den Bedingungen, die noch vor zwanzig, zehn oder fünf Jahren herrschten.“

Salibian schlug vor, die Vorsilbe „öko“ zu Theologie hinzuzufügen, um die unbedingte Notwendigkeit unserer Sorge um die Natur zum Ausdruck zu bringen.

„Wir müssen uns daran erinnern, dass die Erlösung, die Jesus Christus uns gebracht hat, in zwei Richtungen verläuft“, betonte er.

„Auf der einen Seite hat sie eine vertikale Dimension, weil sie die Beziehung der Menschheit mit dem Schöpfer wiederherstellt. Aber wir neigen dazu, die andere Dimension dieser Beziehung zu vernachlässigen, die horizontal verläuft und die zerbrochene Beziehung des Menschen mit der übrigen Schöpfung Gottes heilen will.“

Daher, so Salibian, sei es an der Zeit, die lateinamerikanische Theologie zu aktualisieren und die Vorsilbe „öko“ hinzuzufügen, um die Bedeutung von „Schöpfung“, „Christus“, „Mensch“ und „Ökumene“ vor dem Hintergrund eines verantwortlichen Umgangs mit der Schöpfung neu zu definieren.

Aber die Theologie müsse noch einen Schritt weitergehen, erklärte der „Vater“ des Kyoto-Protokolls, Raul Estrada Oyuela, der auf der Veranstaltung eine Rede zu den internationalen diplomatischen Rahmenbedingungen für Klimapolitik hielt.


Theologie und Politik

Oyuela warnte, mangelndes gegenseitiges Verständnis zwischen Theologie und Politik könne schädliche Auswirkungen haben. „Wenn wir nicht verstehen, was in der Politik geschieht, wird es sehr schwierig sein, politische Entscheidungen zu beeinflussen“, betonte er.

Oyuela war Vorsitzender der Gruppe, die von der Ersten Vertragsstaatenkonferenz des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) eingerichtet wurde, um ein rechtsverbindliches Instrument zum Klimawandel auszuhandeln. Dieses ist heute als Kyoto-Protokoll bekannt.

„In internationalen diplomatischen Kreisen, die sich mit Umweltfragen befassen, gibt es zahlreiche Personen aus Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen“, sagte er und betonte, dass die Kirchen durchaus in der Lage seien, machtpolitischen Einfluss auszuüben. „Wenn der ÖRK auf theologischem Gebiet ethische Bezugspunkte vorschlägt, warum sollte er dann nicht den Prozess der Bewusstseinsbildung und Advocacy-Arbeit unter diesen Akteuren vorantreiben, so dass seine Agenda sich stärker auf die abschließenden Verhandlungsergebnisse auswirkt?“

„Wir Christen haben vor einigen Jahren die dringende Notwendigkeit angemahnt, beim Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Bewahrung der Schöpfung eine Ethik der gesellschaftlichen Verantwortung zu fördern - etwas, was wir ‚haushalterischen Umgang mit der Schöpfung’ nennen“, rief Salibian seinem Publikum in Erinnerung.

„Dieses Konzept steht nach wie vor im Gegensatz zur vorherrschenden Denkrichtung, die den Vorrang der Wirtschaft vor der Natur betont; eine Denkweise, die viele Menschen unterdrückt und die Beziehungen des Menschen zur Natur zerbricht.“

Der ÖRK-Programmreferent für Klimawandel, Dr. Guillermo Kerber aus Uruguay, bekräftigte die Notwendigkeit einer kritischen Prüfung der lateinamerikanischen Theologie. Als eine der wichtigsten Auswirkungen des Klimawandels auf die Theologie zeichne sich ab, dass das theologische Schöpfungsverständnis erneuert werden müsse.

„Welchen Platz nimmt der Mensch in der Schöpfung und in Beziehung zur Schöpfung ein? Wir brauchen in unserer Theologie einen neuen epistemologischen Ansatz im Verhältnis zur Ökologie“, erklärte Kerber.


Friede mit der Erde

Methodisch gesehen wurde auf dem Seminar versucht, die Verbindungen zwischen Gewalt, Friedensaufbau und Bewahrung der Schöpfung zu erklären. Damit wurde eines der Hauptthemen – „ Friede mit der Erde“ – der bevorstehenden Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation (IöFK) aufgegriffen, die vom 17. bis 25. Mai in Kingston (Jamaika) stattfinden und vom ÖRK, der Karibischen Kirchenkonferenz und dem Kirchenrat von Jamaika organisiert wird.

Das Seminar in Argentinien entwickelte eine ganzheitliche Perspektive, die sich auf die Erkenntnis stützt, dass die aus dem Klimawandel erwachsende Umweltkrise wirtschaftliche, politische und spirituelle Komponenten hat.

Die Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere auf die Migration, haben zu einer ethischen Diskussion über die Frage der Gerechtigkeit geführt, in welche die Erfahrungen der am stärksten gefährdeten Gruppen, wie Frauen, verarmten Bevölkerungsteilen und indigenen Völkern, einfließen.

„Wir müssen anerkennen, dass Gerechtigkeit ein zentrales Thema in der Bibel ist. Der Gott der Bibel ist ein gerechter Gott, der Gerechtigkeit walten lässt. Daher schließt unsere Theologie auch die Frage der ‚Öko-Gerechtigkeit’ ein“, erklärte Kerber.

Dieses Seminar war nicht die erste Veranstaltung in Argentinien, die Dialog und Reflexion über Ökologie und Theologie im ÖRK und seinen Mitgliedskirchen förderte.

Neben einer Konsultation zum Thema „Der Mensch und seine Umwelt“, die 1974 stattfand, gab es 1990 auch ein Seminar zum Thema „Krise, Ökologie und soziale Gerechtigkeit“. Dieses Seminar, ebenfalls am ISEDET abgehalten, diente zur Vorbereitung auf die Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (JPIC), die im selben Jahr in Seoul (Südkorea) stattfand.

[900 Wörter]

(*) Dr. Marcelo Schneider ist seit 2006 Assistent des ÖRK-Zentralausschussvorsitzenden. Er lebt in Porto Alegre (Brasilien) und schreibt für mehrere ökumenische und kirchliche Nachrichtenagenturen in Lateinamerika.

Mehr zum Engagement des ÖRK gegen den Klimawandel

Webseite der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation:

http://www.gewaltueberwinden.org