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Darfur-Krise durch Wasserkonflikte ausgelöst; kleinere Wasserkonflikte sind ebenfalls tödlich, erklärt Wasserkonferenz

Darfur-Krise durch Wasserkonflikte ausgelöst; kleinere Wasserkonflikte sind ebenfalls tödlich, erklärt Wasserkonferenz

Frauen schöpfen Wasser an einem der wenigen Brunnen in Darfur © David Haberlah/flickr.com

01. Januar 2001

Fredrick Nzwili (*)

Von Darfur im Westsudan bis zum Mount Elgon in Kenia wird Wassermangel in ländlichen Gemeinschaften immer mehr zu einem Hauptauslöser von Konflikten auf dem afrikanischen Kontinent. Unter der Darfur-Krise leiden und verzweifeln fast zwei Millionen Vertriebene, und die in dem Gebiet tätigen Organisationen sind der Überzeugung, dass diese Krise durch Kämpfe um Wasser und Weideland ausgelöst wurde.

"Es begann damit, dass die Djandjawid anfingen, Dörfer niederzubrennen, bevor sie die Kontrolle über die Wasserstellen übernahmen", sagt Ismail Algazouli, der als Ingenieur bei der Sudanesischen Entwicklungsorganisation (SUDO) arbeitet. SUDO sorgt zusammen mit der norwegischen Hilfsorganisation Norwegian Church Aid (NCA) und dem Sudanesischen Kirchenrat sowie mit Unterstützung von Kirchen helfen gemeinsam (ACT) und Caritas Internationalis für Wasserversorgung und Bildungsarbeit in Darfur.

Algazouli, Teilnehmer an der Konferenz des Ökumenischen Wassernetzwerks (ÖWN) vom 21.-25 Mai in Entebbe (Uganda), zufolge wurde die Darfur-Krise von Fehden zwischen kleinen Gruppen schwarzafrikanischer Ackerbauern und arabischer Hirtengemeinschaften über den Zugang zu Wasser und Weideland ausgelöst. Mit der Zeit wurden die Gruppen größer und es kam immer öfter zu Auseinandersetzungen. 2003 kam es zu einer Wende, als mächtige Djandjawid-Führer ihre Verbündeten in der Regierung um Hilfe baten und damit dem Konflikt eine neue Dimension gaben.

"Die Milizen, denen die Unterstützung durch die Regierung nachgesagt wird, terrorisieren die ansässige Bevölkerung, um sie zu vertreiben. Sobald sie ihre Hütten verlassen haben, nehmen die Djandjawid die Wasserstellen für ihr eigenes Vieh in Anspruch", sagt Algazouli. "Sie besitzen Millionen Tiere und es ist nicht leicht, ausreichend Wasser zu finden", erklärt er.

Seit fast drei Jahren kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Djandjawid - "den Männern zu Pferde" - und Dorfbewohnern, und in der Folge sehen sich Tausende von Menschen gezwungen, Schutz in Flüchtlingslagern an der Grenze zum Nachbarland Tschad zu suchen.

Eine steigende Flut von "kleinen Zusammenstößen"

Auch wenn Darfur als ein Einzelfall gesehen werden könnte, weisen Fachleute auf der Konferenz warnend darauf hin, dass die Gefahr ähnlicher Konflikte an anderen Orten nicht zu übersehen ist. Kirchliche Delegierte, die mit der Basis zusammenarbeiten, berichten, dass die Zahl kleiner Zusammenstöße zunimmt und größere Konflikte zu befürchten sind.

Erst vor acht Monaten brach in dem als Chepyuk bekannten Siedlungsprojekt am Mount Elgon in Kenia ein heftiger Konflikt über Land und Ressourcen aus. "Bei dem Konflikt geht es um den Zugang zu Land und Wasser, das immer knapper wird", sagt Pfr. Maritim Rirei, Programmkoordinator der Anglikanischen Kirche von Kenia für das Gebiet um Eldoret. Seine Kirche führt Friedensprogramme in der Region durch.

In diesem kurzen Zeitraum sind schätzungsweise 60 000 Menschen umgesiedelt, Hunderte von Häusern zerstört und 35 Schulen geschlossen worden. Bei den Versuchen der Regierung, den Streit zu schlichten, sind rd. 200 Menschen getötet und 300 festgenommen worden. "Das bedeutet, dass einige dieser vertriebenen Gemeinschaften keinen Zugang zu sauberem und ausreichendem Wasser haben werden", sagt Rirei.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Bevölkerung in der Region verdoppelt, sodass die begrenzten Ressourcen knapp werden. Im gleichen Zeitraum ist das Wasservolumen der Flüsse und Bäche in der Region zurückgegangen und hat Gemeinschaften wie z.B. die Soy gezwungen, sich höher am Berghang anzusiedeln, wo der Boden fruchtbarer ist und die Quellen noch frisch sind. Zwischen 1965 und 1989 wurde diese Gemeinschaft zweimal von der Regierung wieder nach weiter unten umgesiedelt, um den Doroba die Hänge zu überlassen, einer Gemeinschaft von Jägern und Sammlern, die von Honig und wilden Früchten lebt und in den Moorgebieten des Berges ihre bescheidenen Viehbestände weiden lässt.

"Land am Berg zu besitzen, ist zu einer fixen Idee geworden. Ausschlaggebend dafür sind die zahlreichen Quellen, fruchtbare Böden und reiche Niederschläge", erklärt Rirei. "Die Gegend ist Wassereinzugsgebiet für das gesamte westliche Kenia."

Rirei erklärt, dass die Regierung mit der Umsiedlung der Berggemeinschaften begonnen habe, weil sich negative Auswirkungen auf die Wasserquellen am Berg bemerkbar gemacht hätten. Das hätte den Konflikt ausgelöst. Rd. 1770 Haushalte sind umgesiedelt worden, weitere 5800 aber haben keinen Grund und Boden. Jugendliche aus Gemeinschaften, denen Land zugeteilt wurde, haben sich zu Milizen zusammengeschlossen, die dieses Land verteidigen (Saboat Land Defence Force) und deren Gewaltaktionen die Region destabilisieren.

Dem Koordinator des Friedensprogrammes zufolge sind Frauen und Kinder angegriffen worden, als sie Wasser holten oder ihre Tiere an den Quellen oder Wasserstellen tränkten. Sie wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und Zuflucht in Kirchen und Schulen zu suchen.

"Die Kämpfer wollen in den Waldgebieten bleiben und ziehen immer höher den Berghang hinauf", sagt Rirei. "Heute sind die Häuser zerstört und mit Gras überwachsen. Da, wo einst Wohnhäuser waren, leben jetzt Elefanten."

Den Kirchen, so Rirei, fällt in dieser Situation die schwere Aufgabe zu, Wasserquellen zu schützen und gleichzeitig für eine Wiederansiedlung der Vertriebenen zu sorgen. "Wir müssen vorsichtig vorgehen, wenn wir die Wassereinzugsgebiete schützen und zugleich diesen Menschen helfen wollen", erklärte Rirei vor den Teilnehmenden an der ÖWN-Konferenz, auf der er ein Papier mit dem Titel "Vermittlung in Konflikten um Wasser und Bodenschätze" vorlegte.

Wasser des Nils

Kirchliche Verantwortliche und Vertreter und Vertreterinnen kirchlicher Organisationen, die erleben, welche Auswirkungen bereits relativ kleine Konflikte haben, sind besorgt, wenn sie an die großen Süßwasservorräte Afrikas denken. Es wird befürchtet, dass beispielsweise der Nil einen regionalen Konflikt auslösen könnte, wenn Anrainerstaaten versuchen, Nilwasser abzuleiten oder für Entwicklungsprojekte zu nutzen. "Das Nilwasser ist ein äußerst brisantes Thema", sagt Dawit Kebede, der als Ingenieur für NCA arbeitet.

Kebede erläutert, dass zwar zehn afrikanische Länder Anteil am Nilwasser haben, Ägypten anscheinend aber Exklusivrechte an diesen riesigen Wasservorräten genießt. "Wann immer ein Anrainerstaat die Nutzung des Wassers plant, steigen die Spannungen", sagt er und erklärt, dass der zwischen den Briten und Ägypten ausgehandelte Vertrag von 1929 vorsieht, dass jedes Land, das Nilwasser nutzen will, zunächst die Erlaubnis Ägyptens einholen muss.1959 einigten sich Ägypten und der Sudan in einem Vertrag über die gemeinsame Nutzung des Nilwassers.

Trotz steigender Spannungen im Zusammenhang mit Wasservorräten hielten die Konferenzteilnehmenden daran fest, dass gewaltlose Lösungen für gegenwärtige und künftige Wasserkonflikte möglich sind. Solche Spannungen können auch als Chancen für eine friedliche Zusammenarbeit und gemeinsame Problemlösung gesehen werden. Kirchliche Verantwortliche sind überzeugt, dass sogar der Nil ein einigendes Element für die Länder sein kann, durch die er fließt.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass Wasser seit jeher die Menschen miteinander verbunden und zusammengebracht hat", sagt Danuta Sacher, Leiterin der Abteilung Politik und Kampagnen bei Brot für die Welt. In einer Abschlusserklärung betonten die Teilnehmenden, dass zur Beilegung von Konflikten die Lösungen gemeinsam mit den betroffenen Bevölkerungsgruppen gesucht werden und auf der gegenseitigen Respektierung des Rechtes auf Wasser aller Beteiligten basieren müssten. Sie wiesen darauf hin, dass sehr viel von der Bereitschaft der Regierungen abhängen wird, offen und gerecht mit Wasserproblemen umzugehen und dabei den Rechten der ärmsten und schwächsten Bevölkerungsgruppen Priorität einzuräumen und sich um friedliche Zusammenarbeit und Miteinanderteilen in und zwischen den Staaten zu bemühen.

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(*) Fredrick Nzwili ist Freelance-Journalist aus Kenia. Zurzeit arbeitet er von Nairobi aus als Korrespondent für den Ökumenischen Nachrichtendienst (ENI).

Integraler Wortlaut der Erklärung der ÖWN-Konferenz

Ökumenisches Wassernetzwerk