Ecumenical Water Network

Das ÖWN ist ein Netzwerk christlicher Organisationen und Kirchen, das für sauberes Wasser für alle Menschen eintritt

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Ein Glas schmutziges Wasser

01. Januar 2001

Ein Glas Wasser kann uns eine ganze Geschichte erzählen. So auch das Glas Wasser, das Dunstan Ddamulira vor kurzem in einem Dorf in Uganda angeboten bekam. "In meinem Land, in Uganda", erzählt Ddamulira, "wird Ihnen nie jemand die Bitte um ein Glas Wasser abschlagen. Ich ging also in ein Haus, das auf meinem Weg lag, und bat um ein Glas Wasser. Ein Mädchen brachte es mir - und es war zu 50% voller Schlamm." Zum Beweis zeigt er uns ein Foto von dem Glas Wasser, das er mit seinem Mobiltelefon aufgenommen hat: es ist zur Hälfte voller Schlamm.

Dieses Glas Wasser wurde Ddamulira in Bijaba angeboten, einem Dorf in Zentraluganda, in dem etwa 150 Familien leben. Das Dorf liegt ganz oben auf einem Hügel. Während der Regenzeit holen die Dorfbewohner Wasser aus einem Wasserloch, das als Sammelbecken für das ablaufende Regenwasser dient. Während der Trockenzeit müssen sie bis zu einem rund acht Kilometer entfernten Tal gehen, um Wasser zu bekommen.

So wie den Dorfbewohnern von Bijaba geht es ca. 1,1 Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Ihr tägliches Schicksal ist es, keinen Zugang zu ausreichend Wasser oder zu sauberem Wasser zum Trinken und für den Hausgebrauch zu haben. Die Folge ist, dass jedes Jahr an die zwei Millionen Menschen aufgrund von Wassermangel und schlechter hygienischer Bedingungen sterben. Die meisten von ihnen sind Kinder.

Die Zahl der Menschen, die täglich unter Wasserknappheit leiden, liegt allerdings noch sehr viel höher. So sind in einigen Ländern fünf Stunden harter Arbeit pro Tag nötig, um den Wasserbedarf einer Familie zu decken - und den größten Teil dieser Last tragen Frauen und Mädchen. Hinzu kommen Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser ausgelöst werden. Ein weiteres Problem liegt darin, dass regelmäßiger Schulbesuch infolge der Krankheiten und der mühseligen Aufgabe der Wasserbeschaffung schwierig ist.

Mehr als 80% der Menschen, die unter Wassermangel leiden, leben in ländlichen Gebieten, zwei Drittel von ihnen in Asien. Über 40% der Bevölkerung südlich der Sahara gehören zu dieser Gruppe. Wie in anderen Fällen von Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Entbehrung sind auch hier die Ärmsten am meisten betroffen. "Durch den Wassermangel geraten die Menschen in den Teufelskreis der Armut", sagt Ddamulira.

Die Ursachen bekämpfen

Wer oder was ist schuld an dieser Situation? "In Uganda", berichtet Ddamulira, "kommen mehrere Faktoren zusammen: unzureichende Mittel, ungerechte Verteilung, Mangel an angepasster Technologie für ländliche Gebiete, Korruption bei staatlichen Stellen". Er arbeitet mit ACORD zusammen, einer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit und -forschung, die neben bewusstseinsbildender Arbeit und Schulungen, mit besonderem Schwerpunkt auf Frauen, auch Wasserversorgungs- und Abwasserprojekte fördert.

Für Moshe Tsehlo aus Lesotho liegt eine der Hauptursachen in der Regierungs- und Verwaltungsführung. In seinem Land gibt es z.B. fünf Dämme, die es der Regierung erlauben, Wasser an Südafrika zu verkaufen. Was mit den Einnahmen geschieht, ist allerdings ein Geheimnis. Schuld daran ist die mangelnde politische Transparenz. Die Wasserquellen liegen zwar in ländlichen Gebieten, aber die Regierung räumt der Wasserversorgung dieser Gebiete keine Priorität ein. Daher können die Felder nicht ausreichend bewässert werden und die Menschen, die von Subsistenzwirtschaft leben, ziehen von den Dörfern in die Städte.

Tsehlo arbeitet als nationaler Koordinator von PELUM (Partizipatorisches ökologisches Land- und Ressourcenmanagement), einer Organisation, die Lobbyarbeit leistet und auch kleinere Wassersammlungs-, Bewässerungs- und Abfüllprojekte unterstützt. "Auf nationaler Ebene wollen wir mit unserer Lobbyarbeit eine Änderung der Verfassung erreichen, sodass der Zugang zu Wasser als Menschenrecht in unsere Verfassung aufgenommen wird", erklärt er.

Ddamulira und Tsehlo haben an dem Weltsozialforum teilgenommen, das vom 20.-25. Januar in Nairobi, Kenia, stattgefunden hat. Auch ihre Partner waren dort vertreten: Danuta Sacher, Leiterin der Abteilung "Politik und Kampagnen" von Brot für die Welt (Deutschland) und Asa Elfstrom, Beraterin der Kirche von Schweden für Wasser- und Entwicklungsfragen.

Für Sacher stellt der Wassermangel, unter dem so viele Menschen in aller Welt leiden, ein deutliches Beispiel dafür dar, wie die Armen ausgegrenzt werden. "Den Regierungen ist es egal, was mit den Armen geschieht. Genauso egal ist ihnen der langfristige Wasserzyklus", sagt sie. "Das einzige, was sie können, ist, die Sache mit ‚Geschäftsaugen' zu sehen. Die Zusammenhänge interessieren sie nicht."

Brot für die Welt führt seit vier Jahren eine Kampagne für das Recht auf Wasser durch und Sacher zögert nicht, mit dem Finger auf die Weltbank zu zeigen. "Wegen des großen Einflusses der Weltbank auf die Definition nationaler Politiken und ihrer Botschaft, dass Privatisierung die Lösung darstellt, haben wir etwa zehn Jahre verloren", betont sie.

Die Kirche von Schweden, die mit Partnern auf drei Kontinenten in nahezu 30 Ländern zusammenarbeitet, wird der Wasserproblematik in den nächsten drei Jahren Priorität einräumen, erklärt Elfstrom. So steht das Thema Wasser auch im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenkampagne, die die Kirche in der Fastenzeit durchführt.

Die ökumenische Stimme zu Gehör bringen

Die vier Organisationen, die von Ddamulira, Tsehlo, Sacher und Elfstrom vertreten werden, sind Mitglied des Ökumenischen Wassernetzwerks (ECN), einer Initiative, die unter der Schirmherrschaft des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) steht.

Das Ökumenische Wassernetzwerk gehört zur globalen ökumenischen Koalition, die 2007 unter der Leitung des ÖRK am WSF teilnimmt. Das Netzwerk bringt Kirchen, Organisationen und Bewegungen zusammen, die ihr Engagement für das Recht aller Menschen auf Wasser bündeln und sicherstellen wollen, dass das gemeinsame Zeugnis der Christen zu Fragen der Wasserversorgung in der globalen Debatte gehört wird.

Das ECN fördert gemeinschaftsbezogene Initiativen und Lösungen und tritt dafür ein, dass Wasser als Menschenrecht und zugleich als Gabe Gottes angesehen wird. Es versucht auch, die Kirchen durch bewusstseinsbildende Arbeit über die Dringlichkeit dieses Anliegens aufzuklären.

Zu den vielen Ideen, die die ECN-Organisationen von Nairobi mit nach Hause nehmen, gehört auch der Vorschlag, konkrete Fälle von Verletzungen des Rechts auf Wasser zu dokumentieren. Ferner laden sie andere Organisationen ein, sich an der Initiative "Blauer Oktober" zu beteiligen und im Oktober eine Woche lang - jeweils im Rahmen der eigenen Schwerpunktsetzung - eine Kampagne für Wasserrechte durchzuführen.

Es ist "geboten, die Stimme zu erheben und zu handeln, wenn das Leben spendende Wasser weltweit und systematisch gefährdet wird", heißt es in der Erklärung "Wasser - Quelle des Lebens", die die Vollversammlung des ÖRK letztes Jahr abgegeben hat. Und genau das tun die WSF-Teilnehmenden.

(*) Juan Michel, ÖRK-Medienbeauftragter, ist Mitglied der Evangelischen Kirche am La Plata in Buenos Aires, Argentinien.

Webseite des Ökumenischen Wassernetzwerks

Erklärung "Wasser - Quelle des Lebens" der 9. Vollversammlung des ÖRK


Fotos von der ökumenischen Beteiligung am WSF 2007