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Frust über Rio+20 durch religiöses Engagement und Gemeinschaft überwinden

Frust über Rio+20 durch religiöses Engagement und Gemeinschaft überwinden

Walter Altmann, Leonardo Boff und Guillermo Kerber während einer Podiumsdiskussion des ÖRK auf dem People's Summit.

01. Januar 2001

Die Vertreterinnen und Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) an der Rio+20-Konferenz schlossen sich einer breit abgestützten religiösen Koalition an, indem sie das offizielle Abschlussdokument des von den Vereinten Nationen organisierten Gipfels ablehnten.

„Renommierte Umweltwissenschaftler sagen, dass zwischen 1992 und 2012 in Sachen öffentliche Politik und weltweites Engagement praktisch nichts geschehen ist“, erklärte Prof. Leonardo Boff, der brasilianische Bestseller-Autor und Mitbegründer der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Zu diesem Schluss kam er kurz vor Abschluss der Rio+20-Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (UNCSD).

Boff schloss sich damit einer Reihe von kritischen Stimmen an, die an der UN-Konferenz und an ihrer zivilgesellschaftlichen Entsprechung, dem People's Summit, teilnahmen. Beide Veranstaltungen fanden gleichzeitig, vom 20.-22. Juni, in Rio de Janeiro, Brasilien, statt. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses, Pastor Dr. Walter Altmann, leitete Boff eine Veranstaltung zum Thema „Die ethische und theologische Grundlage der Klimagerechtigkeit“ am People's Summit.

Leonardo Boff bedauerte die Beziehung der Menschen zu den heutigen Ökosystemen und stellte fest: „Wo auch immer wir hinkommen, bringen wir Zerstörung und zwingen die anderen Arten zur Flucht. Wo auch immer unser wirtschaftsbasiertes Denken die Oberhand hat, herrschen Armut, Ausbeutung und Hunger.“

Altmann bedauerte die scheinbar fehlende Verbindung zwischen den im Abschlussdokument der UNCSD zusammengefassten Strategien der internationalen Organisationen und potenziellen Ressourcen auf lokaler Ebene, in religiösen Gemeinschaften und anderen Ausdrucksformen der Zivilgesellschaft.

„1992 fand ein intensiverer Dialog mit der Zivilgesellschaft statt“, erinnerte sich Altmann bei einem Rückblick auf den Erdgipfel, der damals ebenfalls in Rio stattgefunden hatte. Er betonte, die religiösen Gemeinschaften hätten eine besondere Berufung, auf die Krisen der Erde zu reagieren und ihre spirituellen und ethischen Dimensionen zu erforschen.

Die von Altmann und Boff geleitete Podiumsdiskussion war eine von 80 Veranstaltungen auf dem People's Summit im Rahmen eines ökumenischen und interreligiösen Forums genannt „Religionen für Rechte“. Die in diesem Rahmen organisierten Aktivitäten ermöglichten einen kreativen Austausch unter den vielen unterschiedlichen Religionen der Welt.

Für den fehlenden Ehrgeiz gibt es keine Entschuldigung


Dr. Guillermo Kerber, ÖRK-Programmreferent für Klimagerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung, unterstützte die Schlussfolgerung der religiösen Partner in der Weigerung, das Abschlussdokument von Rio+20 als wirksames Instrument für Veränderung zu akzeptieren.

„Das Abschlussdokument von Rio+20“, sagte er, „gibt die von den Wissenschaftlern dargelegte Dringlichkeit der Bedrohungen für das Leben auf der Erde nicht wieder. Es gelingt nicht, die früheren Verpflichtungen der internationalen Gemeinschaft zu aktualisieren, insbesondere diejenigen aus den Übereinkommen von Rio 1992 über die biologische Vielfalt, die Wüstenbildung und den Klimawandel. Es gibt keine neuen, konkreten Verpflichtungen für die Zukunft.“

Er kritisierte das Dokument mit folgenden Worten: „Der ÖRK hat sich für eine prinzipienbasierte Präambel mit einer klaren ethischen Grundlage eingesetzt. Die gegenwärtige ‚Sicht‘ des Textes kommt dieser Forderung nicht nach. Die internationale Gemeinschaft ist darin gescheitert, einen Konsens zu finden. Sie hat sich für den kleinsten gemeinsamen Nenner entschieden und alle umstrittenen Themen vermieden. Mit dem Ergebnis, dass die Erde, die Armen und die Verletzlichen verlieren.“

Kerber lehnte die im Dokument vorherrschende Vorsicht ab: „Die Argumente, die als Rechtfertigung für den fehlenden Ehrgeiz des Dokuments angeführt werden, z. B. die Finanz- und Wirtschaftskrise, sind aus Sicht des ÖRK inakzeptabel.“

Während der Konferenz trafen sich Vertreterinnen und Vertreter des People's Summit mit UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, um ihren Frust über das Abschlussdokument von Rio+20 zum Ausdruck zu bringen.

Rafael Soares de Oliveira, Exekutivdirektor der ökumenischen Organisation Koinonia, Mitglied des ACT-Bündnisses, sagte über das Treffen mit Ban Ki-Moon: „Das Treffen stellte für den Führungsverantwortlichen der UN eine konkrete Herausforderung im Hinblick auf ihr Programm für die Zukunft dar. Der People's Summit hat das Abschlussdokument von Rio+20 nicht als wirksames Instrument für Veränderung akzeptiert.“

Bedarf an öffentlicher Theologie

Bischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gehörte zu denjenigen Rednern, die alle Gläubigen erneut dazu ermutigten, sich für den Kampf gegen die Zerstörung der Umwelt einzusetzen.

Er sagte, die Religionen berührten die Menschen in ihren Köpfen und Herzen. Wir bräuchten deshalb eine öffentliche Theologie, die sowohl in religiöser als auch in säkularer Sprache entwickelt würde.

Bischof Bedford-Strohm nannte zwei Elemente, die seiner Meinung nach wesentlich sind, um die Welt zu verändern: Inspiration und Anreiz. „Ich bin nicht so pessimistisch“, sagte der Bischof. „Wir als Religionen haben so viel zu bieten.“

Pastor Dr. Nestor Paulo Friedrich, Präsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB), fügte hinzu: „Was wir hier in Rio gesehen haben, zeigt aufgrund der Distanz zwischen der UNCSD und dem People's Summit, dass ein dringender Bedarf besteht, die Beteiligung der Zivilgesellschaft am weltweiten Dialog zu erweitern.“

Eine junge muslimische Führungsverantwortliche, Soher El Sukaria, Sekretärin der muslimisch-arabischen Gesellschaft von Cordoba, Argentinien, und Co-Koordinatorin des Jugendnetzwerks Religionen für den Frieden in Lateinamerika und der Karibik, betonte den gemeinsamen Kampf der Religionen für den Schutz der Umwelt und die Befähigung der Armen. Am Ende der Podiumsdiskussion präsentierte Michael Slaby im Namen von Rabbi Awraham Soetendorp die interreligiöse Erklärung: „Nach Rio+20 und darüber hinaus – ein Wendepunkt in der Geschichte der Erde“; ein Text, der bereits von vielen religiösen Führungspersönlichkeiten und Organisationen unterzeichnet worden ist.

Der Ökumenische Rat der Kirchen wird durch sein Programm für die Bewahrung der Schöpfung und die Klimagerechtigkeit auch in Zukunft Fürsprachearbeit im Rahmen der UN-Debatte über nachhaltige Entwicklung, Umweltfragen und Klimawandel leisten. Zudem verpflichtet sich der ÖRK dazu, seine Mitarbeit in der Bewegung, die den People's Summit organisiert hatte, fortzusetzen.

Lesen Sie mehr:

Gläubige in Rio de Janeiro geben ihrer Besorgnis um die Erde Ausdruck (ÖRK-Pressemeldung vom 20. Juni 2012, auf Englisch)

Arbeit des ÖRK für Klimagerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung

Interreligiöse Erklärung „Towards Rio+20 and beyond - a turning point in earth history“ (Nach Rio+20 und darüber hinaus - ein Wendepunkt in der Geschichte der Erde) (pdf, 90 KB, auf Englisch)

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