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Kirchen in Brasilien stehen zu ihrem Engagement für das Menschenrecht und Allgemeingut Wasser

Kirchen in Brasilien stehen zu ihrem Engagement für das Menschenrecht und Allgemeingut Wasser

In der Nähe von Santarém, Pará, Brasilien. Foto: Matt Hintsa

01. Januar 2001

CNBB, 26. 1. 2009-02-03

Rd. 50 Personen nahmen am Montag, dem 26. Januar, am Ökumenischen Wasser-Forum teil, zu dem der Nationalrat christlicher Kirchen in Brasilien (CONIC) und die Nationale Bischofskonferenz von Brasilien (CNBB) in die Universität von Amazonien (UNAMA) eingeladen hatten.

Unter den Teilnehmenden waren auch ein Nationalrat aus der Schweiz und ein Senator  aus Bolivien sowie der Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Besorgnis über die akute Gefahr der Privatisierung von Wasser und über den mangelnden Zugang von Millionen von Menschen zu diesem lebenswichtigen Gut.

"Der Bundesstaat Pará verfügt über die weltweit größten Vorräte von Trinkwasser. Allerdings müssen die auf vorgelagerten Inseln lebenden Küstenbewohner ihr Trinkwasser vom Festland holen", berichtete der Erzbischof von Belém, Orani João Tempesta, der auf der Tagung die CNBB vertrat.

"Die Behörden interessieren sich nicht für das Problem, weil die Küstenbevölkerung kein großes Wählerpotenzial darstellt", erklärte er.

Der Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz, Dr. Felix Gmür, ging auf die Beziehung zwischen Wasser und christlichem Glauben ein.

"Alle Christen müssen sich fragen, warum sie Christen sind. Die Antwort lautet: Weil ich leben will. Wasser ist eines der Elemente, die uns am Leben erhalten", stellte er fest und wies auf die Notwendigkeit hin, dass sich alle Menschen für die Anerkennung von Wasser als ein allgemeines Menschenrecht einsetzen müssen.

"Immanuel Kant hat uns gelehrt, dass mit Rechten auch Pflichten verbunden sind. Wer, wenn nicht die Behörden, sollte dieses Recht sicherstellen", fügte Gmür hinzu.

Er verurteilte das Vorgehen von Unternehmen, die Wasser als ein lukratives Geschäft betrachten.

"Nestlé hat im Wassergeschäft großen Einfluss. Transnationale Konzerne versichern, dass sie angeblich die Pflicht haben, hier Einfluss zu nehmen, da der Staat keine legalen Mechanismen habe, um das Recht auf Wasser zu garantieren. Die Schweizer Bischofskonferenz lehnt diese Haltung ab. Wasser ist ein Allgemeingut", sagte er.

CNBB

Der CNBB-Vertreter P. Nelito Nonato Dornelas bekräftigte das Engagement der Bischofkonferenz von Brasilien für Umwelt und Wasserfragen.

Er erinnerte daran, dass "die CNBB vor genau 30 Jahren, 1979, ihr Engagement für die Umwelt mit einer Solidaritätskampagne unter dem Motto ‚Lasst uns schützen, was allen gehört' demonstriert (hat)", und verwies auf weitere Solidaritätskampagnen zum Thema Wasser (2004) und zum Amazonas (2007), die sich ebenfalls mit Umweltfragen beschäftigt hatten.

"Die Kirche in Brasilien ist sich ihrer Pflicht, Wasser als Allgemeingut und Menschenrecht zu schützen, bewusst", erklärte er, "und deshalb hat der Ständige Rat der CNBB einen Ausschuss von sechs Bischöfen eingesetzt, die sich mit der Thematik befassen und die Entwicklung verfolgen." Der Ausschuss wird im April ein Buch veröffentlichen, mit dem das Problembewusstsein in den Gemeinden geschärft werden soll.

"Die Kirche muss sich dem Kampf um das Recht auf Wasser anschließen und dafür sorgen, dass die Regierungen das Mandat der Unabhängigen Expertin zum Recht auf Wasser am UN-Menschenrechtsrat unterstützen", sagte die Vertreterin des Ökumenischen Wassernetzwerks, Asa Elfstrom.

Rafael Magallanes, ein Mitglied der ökumenischen Bewegung in Belém, hob hervor, dass die Konflikte im Amazonasgebiet hauptsächlich mit Wasser zu tun haben.

"Es geht im Amazonasgebiet nicht um die Verfügbarkeit von Wasser. Wir haben genug Wasser - für die Menschen, das Ökosystem, die Biodiversität und auch für Industrie und Stromerzeugung. Aber es entstehen soziale Konflikte. Im Amazonasgebiet ist das Wasser zum Konfliktstoff geworden", meinte er. Wasser sollte die Menschen nicht spalten, sondern zusammenbringen.

Wasser - ein öffentliches Gut

Franklin Frederick, Berater der CNBB und des CONIC in Wasserfragen, sieht einen Widerspruch im brasilianischen Wasserrecht.

"Die nationale Wasserbehörde (ANA) hat die Aufgabe, private Interessen zu regeln. Wie erklärt sich das, wenn Wasser ein öffentliches Gut ist? Das ist ein Widerspruch", sagte er.

Frederick berichtete, dass solche Fragen dazu geführt haben, dass die CNBB und CONIC 2005 zusammen mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und der Schweizer Bischofskonferenz die "Ökumenische Erklärung zum Wasser als Menschenrecht und als öffentliches Gut" unterzeichnet haben.

Der Schweizer Nationalrat Luc Reverdon wies darauf hin, dass Nestlé 1866 in der Schweiz gegründet wurde.

Er bedauerte, dass Nestlé zu den Unternehmen gehört, die in São Lourenço (Minas Gerais) Land aufgekauft haben, um Wasserressourcen zu kontrollieren. "Ich schäme mich, sagen zu müssen, dass Nestlé nach Brasilien gekommen ist, um Wasserressourcen zu kontrollieren und zu kommerzialisieren", sagte er.

Der Nationalrat hält die Auseinandersetzung mit der Frage der Privatisierung von Wasser für dringend erforderlich. "Öffentlich verfügbares und zugängliches Wasser muss für jede Regierung eine Priorität sein", erklärte er.

Senator Abraham Cuellar Araujo aus Bolivien berichtete von den Erfahrungen des Wasserministeriums, das Präsident Evo Morales nach der Ausweisung von Unternehmen, die Wasser privatisieren wollten, eingerichtet hat.

"Das Ministerium arbeitet zusammen mit sozialen Bewegungen an der Umsetzung politischer Richtlinien, die dem Allgemeinwohl dienen", erklärte der Senator. "Ich unterstütze das ökumenische Engagement der Kirchen für Wasser als ein öffentliches Gut und als ein Menschenrecht", betonte er.

Pressemitteilung der Nationalen Bischofskonferenz von Brasilien (CNBB) vom 21.1.2009

Weitere Informationen:

Abschlusserklärung: Charta von Belém (auf Portugiesisch)

 

Ökumenische Erklärung zum Wasser als Menschenrecht und als öffentliches Gut (pdf, 78 KB)

 

Nationale Bischofskonferenz von Brasilien (CNBB)

 

Nationalrat christlicher Kirchen in Brasilien (CONIC)