Ecumenical Water Network

Das ÖWN ist ein Netzwerk christlicher Organisationen und Kirchen, das für sauberes Wasser für alle Menschen eintritt

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Lateinamerikanische Christen fordern Recht auf Wasser

01. Januar 2001

"Wasser ist für alle da, weil es das Blut der Mutter Erde ist", erklärte die peruanische Kongressabgeordnete Maria Sumira aus Peru bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz "Wasser für das Leben und die Schöpfung".Die Konferenz, die vom 23. bis 25. November in Lima (Peru) stattfand, wurde vom Ökumenischen Wassernetzwerk (ÖWN) und dem Lateinamerikanischen Rat der Kirchen (CLAI) veranstaltet.

An der Konferenz nahmen Pfarrer/innen verschiedener Konfessionen, Priester, Laien/innen, Umweltexperten/innen, leitende Vertreter/innen von sozialen und politischen Bewegungen, Geologen/innen, Gewerkschafter/innen, Journalisten/innen, Vertreter/innen von Nichtregierungsorganisationen und indigenen Gemeinschaften aus Costa Rica, Guatemala, El Salvador, Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien, Ecuador, Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay und Deutschland teil.  

Ziel der Konferenz war es, sich mit dem Menschenrecht auf Wasser zu beschäftigen und das Recht aller Menschen auf Zugang zu ausreichendem, sauberem und bezahlbarem Wasser für den persönlichen oder gemeinschaftlichen Verbrauch einzufordern. In der ethisch-theologischen Auseinandersetzung mit diesem Thema seien die Kirchen aufgefordert, so die Konferenzteilnehmenden, Kritik zu üben und eine Situation anzuprangern, in der der Zugang zu Wasser von einigen Wenigen kontrolliert werde und die ärmsten und schutzlosesten Sektoren der Bevölkerung am meisten für ein Gut bezahlen müssten, zu dem sie nur sehr eingeschränkt Zugang hätten. Diese Situation sei das Ergebnis eines "Entwicklungsmodells", das die Schwächsten ausbeute und unterdrücke und angesichts dessen die Kirche nicht weiter schweigen könne und dürfe.

"Gott stellt die innere Mitte unserer Werte und Einstellungen dar, er ist kein Dogma. Christ in der heutigen Welt zu sein, bedeutet nicht nur, ein Glaubensbekenntnis abzulegen… Mit Gott in Beziehung zu sein, bedeutet, für unsere eigenen Rechte und die der anderen einzutreten", erklärte Pfarrer Rafael Goto. Ziel allen menschlichen Engagements, so Goto, müsse der Wiederaufbau von Gemeinschaft – koinonia – sein, in der Partizipation und Solidarität die wichtigsten Kriterien darstellten. In dieser Gemeinschaft müssten Gerechtigkeit und Gemeinwohl die zwischenmenschlichen Beziehungen prägen. Kodex und gemeinsamer Nenner dieser Beziehungen müssten ethische Werte sein.

Goto fügte hinzu, dass shalom nicht nur gleichbedeutend mit Ruhe und Frieden sei, sondern jede/n Einzelne/n dazu verpflichte, sich für eine Welt einzusetzen, deren natürliche Ressourcen Gemeingut seien und für die wir uns deshalb gemeinsam verantwortlich fühlen müssten – als Haushalter und Diener zugleich. Diese integrierende Sichtweise verbinde uns und gehe über unsere Glaubensperspektive hinaus.

Michael Windfuhr, der Vorsitzende der ÖWN-Steuerungsgruppe, betonte, alle Länder hätten die Pflicht, den Zugang zu sauberem Wasser zu respektieren, zu schützen und zu gewährleisten und kein Staat habe das Recht, den Verbrauch von Wasser zu einem gesellschaftlichen Privileg zu machen.

Im Mittelpunkt der dreitägigen Konferenz stand die Forderung, dass Gemeinschaften beim Wassermanagement ein Mitspracherecht haben und sich zur Verteidigung ihres Rechts auf Wasser organisieren müssten. Zur Untermauerung dieser Forderung schilderten mehrere Konferenzteilnehmende die in ihren Ländern gemachten Erfahrungen mit Fürsprachearbeit, die in den verschiedensten Bereichen geleistet wird und für die Verantwortlichen der Gemeinschaften Gefahren für Leib und Leben mit sich bringt.

Auf dem Programm standen auch Besuche in verschiedenen Armenvierteln von Lima, wo die Teilnehmenden sich über erfolgreiche Gemeinschaftsinitiativen informierten, die einen wichtigen Beitrag zur organisatorischen Stärkung und Verwandlung der Gemeinwesen leisten.

Am Ende der Konferenz wurden Folgemaßnahmen beschlossen, die Kontinuität und eine gewisse Kontrolle der eingegangenen - persönlichen oder institutionellen – Verpflichtungen gewährleisten sollen. Diese Selbstverpflichtungen zielen darauf ab, die biblisch-theologische Reflexion zu stärken, öffentliche Informations- und Aufklärungsarbeit zu leisten, politische und öffentliche Fürsprachearbeit und Partizipation zu verbessern und ökumenische Netzwerke auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene zu stärken.

Das ÖWN ist ein weltweites Netzwerk von Kirchen und christlichen Organisationen, das die Wasserkrise ins Bewusstsein der Menschen ruft und den Informationsaustausch zwischen Kirchen und kirchlichen Organisationen fördert. Das Sekretariat des ÖWN ist im Ökumenischen Rat der Kirchen angesiedelt, der auch die Zusammenarbeit zwischen den Netzwerkmitgliedern fördert. Der CLAI gehört dem ÖWN an.

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Ökumenisches Wassernetzwerk

Lateinamerikanischer Rat der Kirchen (CLAI)