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„Niemand darf auf der Strecke bleiben“ – COP 21 muss sich mit den Klimarisiken für die Ärmsten beschäftigen

„Niemand darf auf der Strecke bleiben“ – COP 21 muss sich mit den Klimarisiken für die Ärmsten beschäftigen

Aktion des ACT-Bündnisses über Verluste und Schäden in der Haupthalle der COP 21 in Paris. © Sean Hawkey/ÖRK

07. Dezember 2015

Klimatisch verursachte Verluste und Schäden gehören für die glaubensgestützten Gruppen zu den wichtigsten Anliegen während der COP 21. Anlässlich einer Diskussionsrunde und einer Demonstration Anfang Dezember wurden zahlreiche Facetten dieser Thematik beleuchtet.

Am 3. Dezember hat Brot für die Welt im Deutschen Pavillon der Klimakonferenz einen Gedanken- und Meinungsaustausch organisiert, bei dem das Thema „Loss & Damage“ im Vordergrund stand.

Zum Auftakt der Podiumsdiskussion stellte die Präsidentin von Brot für die Welt Pastorin Dr. Cornelia Füllkrug-Weitzel eine in Partnerschaft mit dem ACT‑Bündnis und Germanwatch erstellte Studie vor, die zur Annahme eines Positionspapiers geführt hatte.

Anhand der von Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, der wissenschaftlichen Forschung und der Versicherungsbranche gelieferten Daten kommt die Studie zum Schluss, dass die durch Extremwetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen, Meeresspiegelanstieg und andere allmählich einsetzende Phänomene hervorgerufenen wirtschaftlichen und nicht wirtschaftlichen Verluste in raschem Tempo zunehmen.

Die Folgen solcher Extremereignisse sind in den ärmeren Ländern am deutlichsten zu spüren, da sie größeren Gefahren ausgesetzt sind und weniger Widerstandsfähigkeit („Resilienz“) besitzen.

„Neben den schweren wirtschaftlichen Verlusten insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Trinkwasser, Fischerei und Küsteninfrastruktur werden in der Studie klimabedingte Migration und Umsiedlung sowie der Verlust von Lebensraum und Kulturerbe durch den Meeresspiegelanstieg als Folgen identifiziert“, erklärte Füllkrug-Weitzel.

„Allein 2013 haben durch die Auswirkungen von Naturkatastrophen 22 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren – das sind dreimal mehr als durch bewaffnete Konflikte“, ergänzte sie mit Verweis auf eine Studie des Norwegischen Flüchtlingsrates von 2014.

Wie Hon Pa Ousman Jarju, Minister für Umwelt, Klimawandel, Forstwirtschaft, Wasser und Wildtiere aus Gambia, während der Diskussion ausführte, ist Anpassung allein nicht ausreichend.

„Klimabedingte Verluste und Schäden haben Spätwirkungen. Wie kann man sich anpassen, wenn die Hälfte der Volkswirtschaft durch klimabedingte Verluste wegfällt?“, frage er.

Laut den Forderungen der ökumenischen Gruppen in Paris müssen Verluste und Schäden in das Abkommen einbezogen werden, damit es eine robuste politische Grundlage für die künftige Klimarisikoprävention, -minderung und -verlagerung bilden kann. Als Modell für diesen Ansatz diente der 2013 bei der COP 19 vorgeschlagene „Internationale Warschau-Mechanismus für klimabedingte Schäden und Verluste“.

Füllkrug-Weitzel erläuterte: „Als evangelische Organisation stehen bei uns die ärmsten und anfälligsten Bevölkerungsgruppen ganz klar im Vordergrund. Sie sind zunehmenden klimabedingten Risiken ausgesetzt, die ihr Leben und ihre Lebensgrundlage bedrohen“.

„Wir müssen uns alle für eine bessere Prävention und ein besseres Management von Klimarisiken einsetzen“, ergänzte sie.

Am 4. Dezember, dem Tag nach der Diskussion, inszenierten die Aktivistinnen und Aktivisten von „Jetzt handeln für Klimagerechtigkeit” ein eindrückliches Die‑in mitten auf dem Gelände der COP 21, um verlorene Leben, verpasste Chancen und irreversible Schäden in den Ländern aufzuzeigen, die an vorderster Front vom Klimawandel betroffen sind.

„Jetzt handeln für Klimagerechtigkeit“ ist eine vom ACT-Bündnis gestartete Initiative. Dieser Zusammenschluss von 137 glaubensgestützten Organisationen und Kirchen arbeitet in mehr als 100 Ländern gemeinsam dafür, die Lebensbedingungen der Armen und Ausgegrenzten nachhaltig zu verbessern.

Wie Mariana Paoli, Beraterin für internationale Fürsprache bei Christian Aid, meinte, sei die Demonstration strategisch wichtig gewesen, um den Druck auf die Unterhändler in Paris zu verstärken und so dafür zu sorgen, dass Verluste und Schäden in die Verhandlungen einbezogen und der Warschau-Mechanismus im zukünftigen Paris-Abkommen verankert werden.

Die Aktivistinnen und Aktivisten haben sich nach Ansicht von Paoli bei der COP 21 erfolgreich Aufmerksamkeit verschafft, indem sie Bilder von Millionen Menschen zeigten, die in die Flucht getrieben werden, sterben oder auf andere Weise von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.

Für Pranita Biswasi, Delegierte des Lutherischen Weltbundes bei der COP 21, sind klimabedingte Verluste und Schäden in Indien Teil ihrer täglichen Realität.

„Wir wissen alle, dass es ohne Wasser kein Leben gibt. Aber was ist mit den Tausenden Menschen, die jetzt bei den schweren Überschwemmungen in Südindien ertrinken? Wer wird dort für die entstandenen Schäden und Verluste aufkommen?“, fragte sie.

„Wenn es keine Entschädigung gibt, sind die politischen Entscheidungsträger dann bereit, ihre vornehmen Wohnungen zu öffnen und den Anfälligsten, die solche Katastrophen in keiner Weise verdient haben, ein Dach und Essen zu geben?“, ergänzte Biswasi.

Die UNO-Klimakonferenz in Paris geht noch bis 11. Dezember. In dem vor 20 Jahren begonnenen Prozess zu einem soliden Klimaabkommen gilt die zweite Woche für viele als die entscheidende Verhandlungsphase.

Positionspapier von Brot für die Welt über klimabedingte Schäden und Verluste

COP 21: „Ein Moment der Wahrheit“ (ÖRK-Pressemeldung vom 1. Dezember)

UN climate chief thanks pilgrims for “every single step” to climate justice (ÖRK-Pressemeldung vom 30. November, in englischer Sprache)

Kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz sieht ÖRK‑Generalsekretär Zeichen der Hoffnung (ÖRK-Pressemeldung vom 29. November)

UN Climate summit results vital for world’s future (ÖRK-Pressemeldung vom 26. November, in englischer Sprache)

Bewahrung der Schöpfung und Klimagerechtigkeit beim ÖRK

Dies ist eine gemeinsame Pressemeldung vom Ökumenischen Rat der Kirchen, dem Lutherischen Weltbund und dem ACT-Bündnis.