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Nigerianische Jugend bringt ökologische Gerechtigkeit in die Stadt

Nigerianische Jugend bringt ökologische Gerechtigkeit in die Stadt

Njideka Onwunyi beim Y4EJ Trainingscamp in Durban, Südafrika. © WCC/LWF/Wolfgang Noack

06. Dezember 2012

Von Susan Kim (*)

In benachteiligten Stadtgebieten von Lagos, Nigeria, hält nach und nach ein Sinn für ökologische Gerechtigkeit Einzug. Die Geschichte von Njideka Onwunyi zeigt, wie eine junge Frau eine Bewegung in Gang setzen kann.

Wenn Njideka Onwunyi über die Auswirkungen der Überschwemmungen in benachteiligten Stadtgebieten von Lagos spricht, dann nicken ihre jungen Zuhöhrerinnen und Zuhörer zustimmend. Alle kennen den Teufelskreis nur allzu gut: Durch regelmäßige Überschwemmungen wird das Wasser verseucht, was zu chronischem und extremem Trinkwassermangel in den ärmsten Stadtgebieten von Lagos führt.

In ganz Nigeria kam es in den letzten Jahren immer wieder zu schweren Überschwemmungen, was die meisten Experten dem Klimawandel zuschreiben.

 

Nachdem Onwunyi an dem Programm „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ (Y4EJ), teilgenommen hatte, das der  Ökumenische Rat der Kirchen gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund organisiert hatte, war sie fest entschlossen, sich auch zu Hause aktiv für die Welt zu engagieren.

Onwunyi beschloss, in ihrer Heimatstadt zu beginnen. Zuerst brachte sie junge Leute um sich herum dazu, über ökologische Gerechtigkeit zu sprechen. Dann konnte sie sie dafür gewinnen, nach und nach etwas zur Verbesserung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung beizutragen. Dieses Engagement findet immer mehr Zuspruch in der Stadt.

Nigeria, ein Land mit 120 Millionen Einwohnern, ist mit ökologischen Herausforderng konfrontiert, die mit Entwaldung, zunehmender Verstädterung und Verschmutzung zusammenhängen. Das Land verfügt auch über das größte Feuchtgebiet und das drittgrößte Wassereinzugsgebiet Afrikas.

Onwunyi rief eine Gruppe mit dem Namen „Jugend für ökologische Gerechtigkeit in Nigeria“ ins Leben und arbeitete ein dreistufiges Projekt für Schulung und Sensibilisierung im Bereich der ökologischen Gerechtigkeit aus.

Zunächst plante sie einen zweitägigen Workshop für 30 junge Mitglieder der katholischen Kirchen Our Lady of Fatima und St Augustine sowie der anglikanischen Kirche St Bartholomew. Der Workshop wurde als Teil einer „Jugendwoche“ mit dem Thema „Aufbruch zur Rettung der Erde! Wo stehst du?“ präsentiert.

Außer Rednerinnen und Rednern aus der Glaubensgemeinschaft sprachen auch Vertreter der staatlichen Abfallbehörde und des Amts für Stadt- und Regionalplanung von Lagos.

Dann erstellte Onwunyi 30 Kopien einer achtseitigen Broschüre mit dem Titel „Ökologische Gerechtigkeit - unsere Aufgabe als junge Christen beim Umweltschutz“. Diese Veröffentlichung enthält Fallstudien aus Nigeria über ökologische Gerechtigkeit sowie theologische Verweise.

Die meisten von Onwunyis Zuhörer waren gerade erst an dem Punkt, an dem sie begannen, ein Verständnis für das Konzept der ökologischen Gerechtigkeit zu entwickeln. Deshalb entschied sie sich dafür, ihr Programm auf Beschreibungen aus dem echten Leben von Lagos auszurichten, um zu zeigen, wie wichtig ökologische Gerechtigkeit im täglichen Leben Nigerias ist.

„Aufgrund meines Wissens und meiner Erfahrung legte ich den Schwerpunkt mehr auf Themen aus dem Bereich Klima und gerechte Wasserverteilung und führte dann Fallstudien über Klimawandel an, da uns das hier in den benachteiligten Stadtgebieten mit den Überschwemmungen und der übermäßigen Hitze unmittelbar betrifft“, erklärte sie.

Onwunyi fand, dass ihre Workshopsitzung sehr interaktiv war, da die jungen Leute Fragen stellten, um die Bewegung für ökologische Gerechtigkeit besser verstehen zu können. Sie waren absolut offen dafür, darüber zu reden, wie der Klimawandel eigentlich ihr eigenes Leben betrifft.

Onwunyis Engagement fängt jetzt an, erste praktische Ergebnisse zu zeigen. Mehrere junge Leute starteten in Lagos Wasser- und Abwasserprojekte, durch die die eigentlichen Ursachen des Wassermangels in den benachteiligen Stadtgebieten nach und nach verringert werden.

Onwunyi plant auch weiterhin Workshops und kommuniziert aktiv mit anderen jungen Leuten. Für sie war ihre Teilnahme am Y4EJ-Trainingscamp eine einzigartige Erfahrung, durch die sie nicht nur viel gelernt hat, sondern auch zum Handeln angeregt wurde.

„Nach und nach wurde mir das Konzept der ökologischen Gerechtigkeit klar und ich sah den größeren Zusammenhang. Aber das Beste daran war zu sehen, wie aktiv die Glaubensgemeinschaft in ihrem Engagement für Gerechtigkeit ist“, sagte sie. „Durch diese Erfahrung wurde mein Interesse daran geweckt, mich zu Hause stärker zu engagieren.“

Bei der Umsetzung ihres Projekts war Onwunyi unmittelbar mit einigen ernsthaften Schwierigkeiten konfrontiert.

„Einige junge Leute waren nicht gerade sehr optimistisch, was ihre Beteiligung an der Bewegung für ökologische Gerechtigkeit betraf, da sie materiell nicht davon profitierten“, so Onwunyi. „Einer der Hauptgründe dafür ist die hohe Arbeitslosenrate junger Menschen (70 Prozent) sowie die hohe Armutsrate in dem Land.“

Aber Onwunyi hilft den jungen Leuten dabei, die große Bedeutung, die ökologische Gerechtigkeit für ihr tägliches Leben hat, zu erkennen. „Am Ende wollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unbedingt mehr darüber erfahren.“

Dieser Featureartikel ist Teil einer Reihe von Artikeln, die über Initiativen informieren sollen, die Teilnehmende des Programms „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ im Anschluss an das internationale Trainingsprogramm als weiterführende Maßnahmen ins Leben gerufen haben.

(*) Susan Kim ist freie Autorin aus Laurel, Maryland, Vereinigte Staaten von Amerika.


Broschüre „Eco-justice – Our Role as Young Christians in Preserving the Environment”
(pdf, 670 KB)

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Der LWB und „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ (in englischer Sprache)

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