Ecumenical Water Network

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Umgehender Handlungsbedarf für schmelzende Eiskappen auf Afrikas höchsten Bergen

Umgehender Handlungsbedarf für schmelzende Eiskappen auf Afrikas höchsten Bergen

Mädchen holen Wasser an einer öffentlichen Wasserstelle im Kibera Slum (Nairobi, Kenia).

01. Januar 2001

Von Fredrick Nzwili (*)

"In meiner Kindheit war das Wasser so klar, dass man die Felsen auf dem Grund sehen konnte. Forellen zu fangen war deshalb ganz einfach und wir hatten Spaß daran. Wenn wir angelten, konnten wir im Wasser beobachten, wie die Fische anbissen", erzählt Professor Jesse Mugambi, Mitglied der Arbeitsgruppe des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zum Klimawandel. "Dann aber wurden Kaffee und Tee angebaut. Erst wurden die Flüsse durch Erosion verschmutzt und dann gab es kein Wasser mehr."

Mugambi, Professor für Religion und Philosophie an der Universität Nairobi, der maßgeblich an internationalen Debatten über den Klimawandel beteiligt ist, beschreibt das Gebiet um den Mount Kenia, der aufgrund der Erderwärmung den größten Teil seiner Gletscher verloren hat. Heute trocknen die Flüsse, in die vorher das Schmelzwasser vom Berg floss, von September bis März aus. "So weit ist es schon gekommen", sagt Professor Mugambi.

Mugambi legte auf einer von Kirchen veranstalteten Konferenz zum Thema Wasser, die vom 21.-25. Mai in Entebbe, Uganda, stattfand, ein Papier über "Die Konsequenzen des Klimawandels für den Zugang zu Süßwasser" vor. Rd. 70 kirchenleitende Verantwortliche, Theologen/innen, Wasserfachleute und Projektkoordinatoren/innen aus 25 Ländern waren in der Stadt am Ufer des Viktoriasees, Afrikas größtem See, zusammengekommen, um über die Rolle der Kirchen angesichts der Wasserkrise in Afrika zu diskutieren.

Die Konferenz wurde vom Ökumenischen Wassernetzwerk (ÖWN) in Zusammenarbeit mit dem Gemeinsamen Christenrat von Uganda (UJCC), der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC) und der in Uganda ansässigen Behörde für Entwicklungszusammenarbeit und -forschung (Agency for Cooperation and Research in Development, ACORD) veranstaltet. Das Ökumenische Wassernetzwerk ist eine Initiative von christlichen Kirchen, Organisationen und Bewegungen, die sich dafür einsetzen, dass das Recht auf Wasser als Menschenrecht anerkannt wird, und die überall in der Welt den Zugang zu Wasser durch gemeinschaftsgetragene Initiativen fördern wollen.

Im Mittelpunkt der Konferenz standen Wasserversorgung und Zugang zu Wasser im ländlichen Afrika, gemeinschaftsbestimmte Wasserinitiativen, das Menschenrecht auf Wasser sowie soziale, politische und wirtschaftliche Aspekte des Themas. Aus Konferenzdokumenten geht hervor, dass über 300 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika keinen Zugang zu ausreichendem und sauberem Trinkwasser haben. In Uganda haben z.B. bei einer Gesamtbevölkerung von 28 Millionen 32% der Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Bei der Eröffnung der Konferenz am 21. Mai forderte die ugandische Ministerin für Wasser- und Umweltfragen, Miria Mutagamba, die Kirchen auf, die Menschen in Afrika über Wassermanagement aufzuklären. "Sie haben eine Pflicht", sagte sie, "Sie leben mitten in den Gemeinschaften und diese hören auf Sie. Bitte helfen Sie unseren Gemeinschaften, besser zu verstehen, wie sie mit Wasser umgehen müssen."

Im weiteren Verlauf der Konferenz mit Referaten zu einschlägigen Erfahrungen von Gemeinschaften und Erfolgsprojekten wiesen Experten warnend darauf hin, dass die beiden eisbedeckten Berge Afrikas, Mount Kenia und Kilimandscharo, im Begriff sind, das Eis auf ihren Gipfeln zu verlieren.

Diese Eiskappen liefern das Wasser für die Flüsse an ihren Hängen, doch wenn sich das Eis zurückbildet oder gar verschwindet und die Flüsse austrocknen, wird den an den Berghängen lebenden Gemeinschaften nicht mehr genügend Wasser für den Hausgebrauch oder die Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Laut einigen Konferenzteilnehmenden ist das schon der Fall und das Überleben von Gemeinschaften, die auf dieses Wasser angewiesen sind, ist in Gefahr. Es kommt bereits zum Wettkampf um Wasser, Weideland und Ackerland.

Der Rückgang der Eisschichten auf den zwei Bergen ist auf die vom Menschen verursachte Erderwärmung zurückzuführen. Der UN-Weltklimarat (International Panel on Climate Change - IPCC) hat erklärt, dass ein fortgesetzter "Treibhauseffekt" bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu einem durchschnittlichen Temperaturanstieg um 1,4 bis 5,8° Celsius führen wird, was eine Wasserverknappung von rd. 20% zur Folge hätte.

"Wenn wir durch unsere menschlichen Tätigkeiten einen Rückgang der Niederschläge auf Mount Kenia und dem Kilimandscharo verursachen, dann sorgen wir praktisch für eine nahtlose Verbindung zwischen der Sahelzone und der Kalahari-Wüste."

"Die Industrialisierung der Entwicklungsländer geht auf Kosten der Umwelt. Die Mehrzahl der Opfer sind Menschen, die für die Erderwärmung nicht verantwortlich sind", erklärt Mugambi.

Dass der Kilimandscharo seine Gletscher verliert, ist laut Seth Kitange, dem Kosekretär des Wasserversorgungsprojekts im Hai-Distrikt, das von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania(ELCT) getragen wird, kein Geheimnis. "Die Folge ist, dass die traditionellen Bewässerungskanäle, die noch aus vorkolonialer Zeit stammen, kein Wasser mehr haben. Das wirkt sich auf die Existenz von Menschen aus", sagt er.

Die Hänge des Kilimandscharo, an denen eine halbe Million Menschen (darunter viele Lutheraner) zu Hause sind, leiden auch unter der Abholzung. Die dort lebenden Menschen können laut Kitange zwar nicht für die Gletscherschmelze verantwortlich gemacht werden, doch haben sie ein Großteil der Bäume gefällt, um sie als Bauholz und Holzkohle zu verwenden. Weil keine neuen Bäume gepflanzt worden sind, hat das zu Erosion geführt. "Wenn die Bäume den Boden nicht mehr schützen, dann leidet die wirtschaftliche Tätigkeit der Menschen darunter; in der Folge leidet auch die Kirche, denn die Kirche, das sind die Menschen ", erklärt Kitange.

Wer hofft, die Berggipfel wieder völlig schneebedeckt zu sehen, wird sich Jahrzehnte lang gedulden müssen, selbst wenn umgehend Maßnahmen zur Rettung der Eisfelder ergriffen werden. In diesem Zeitraum könnte es Mugambi zufolge in Ostafrika zu ökologisch bedingter Migration kommen.

"Deshalb müssen wir umgehend handeln. Am besten kann ich Ihnen das am Beispiel eines Baumes verdeutlichen. Ein Hartholzbaum braucht 50 Jahre, bis er ausgewachsen ist, aber man braucht nur 5 Minuten, um ihn zu fällen. Es hat Jahrtausende von Jahren gedauert, bis sich das Eis auf den Bergen gebildet hat, aber nur ca. 50 Jahre, um es schmelzen zu lassen", sagt Mugambi.

Im Gebiet um den Mount Kenia tun sich christliche Gemeinschaften zusammen, um Staudämme in den meisten Flüssen an den Berghängen zu errichten. Sie hoffen, dadurch die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung zu verbessern und zur Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion beizutragen.

Am Kilimandscharo führt die ELCT eine breite Kampagne durch, in deren Rahmen Kinder im Konfirmationsalter angehalten werden, über einen Zeitraum von zwei Jahren je 10 Bäume zu pflanzen und zu hegen. Die Kirche führt auch Bewusstseinsbildungsprogramme zu den Folgen der Abholzung durch.

"Zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Afrikas Geschichte - Sklavenhandel, Kolonialismus, Apartheid in Südafrika - hat die Kirche Jesu an der Seite derer gestanden, die gelitten haben und ausgebeutet wurden. Heute hat die Kirche die Aufgabe, an der Seite derer zu stehen, die nachteilig von der Wasserverknappung betroffen sind", schließt Mugambi.

[1'020 Wörter]

(*) Fredrick Nzwili ist Freelance-Journalist aus Kenia. Zurzeit arbeitet er von Nairobi aus als Korrespondent für den Ökumenischen Nachrichtendienst (ENI).

Medienkontakte während der ÖWN-Konferenz vom 21.-25. Mai:

Maike Gorsboth +49-171-140-7727

Dunstan Ddamulira +256-772-457726

Ökumenisches Wassernetzwerk:

www.oikoumene.org

Informationen zum Konferenzprogramm und zu den Rednern/Rednerinnen können (auf Englisch) als PDF-Datei von der ÖRK-Website heruntergeladen werden:

oikoumene.org/fileadmin/files/wcc-main/documents/p4/ewn/single_docs/programme-entebbe-e.pdf