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Vorkasse am Wasserhahn: Prepaid-Wasserzähler gefährden die Ärmsten der Armen

Vorkasse am Wasserhahn: Prepaid-Wasserzähler gefährden die Ärmsten der Armen

Ein Prepaid-Wasserzähler in Maseru, Lesotho. Foto: Maike Gorsboth/ÖWN

01. Januar 2001

Christian Johannessen (*)

In Lesotho, Süd-Afrika und vielen anderen afrikanischen Ländern stehen Apparate hoch im Kurs, die den Wasserverbrauch von Konsumenten auf eine vorab bezahlte Menge beschränken. Sie sollen angeblich die Finanzierung für eine bessere Wasserinfrastruktur sichern. Ein problematischer Ansatz, warnen kirchliche Wasserexperten, denn er gefährdet den Zugang der Ärmsten der Armen zu diesem lebenswichtigen Gut.

Prepaid-Wasserzähler funktionieren ganz ähnlich wie Prepaid-Telefone: Man kauft eine Chipkarte, deren Kredit einer bestimmten Wassermenge entspricht. Wenn die Karte in einen Apparat eingeführt wird - eine Wasseruhr im Haus oder eine öffentliche Wasserzapfstelle - fließt so lange Wasser, wie die Karte Kredit enthält. Während aber die Besitzer von Prepaid-Telefonen auch dann noch einen Notruf tätigen können, wenn das Kreditkonto leer ist, kann eine Prepaid-Wasserzapfstelle keine Rücksicht darauf nehmen, wie dringend jemand Wasser braucht.

Michael Windfuhr, Direktor der Abteilung für Menschenrechte bei Brot für die Welt und Mitglied der Steuerungsgruppe des Ökumenischen Wassernetzwerks, meint: "Die Prepaid-Wasserzähler sind höchst problematisch. Wenn man kein Geld mehr hat und die Karte leer ist, dann hat man auch für die elementarsten Bedürfnisse kein Wasser mehr. Das ist eine Verletzung des Menschenrechts auf Wasser. Es dürfte nicht möglich sein, Menschen Wasser zu verweigern, denn Wasser ist ein Grundbedürfnis aller Menschen."

Wassersparen auf Kosten der Armen

Bei dem herkömmlichen System, wo die Leute ihre Wasserrechnung nach dem Verbrauch bezahlten, konnte die Wasserzufuhr ohne vorherige Warnung nicht abgestellt werden, erklärt Windfuhr. Jetzt kann es passieren, dass die Menschen plötzlich ohne sauberes Trinkwasser da stehen und gezwungen sind, auf möglicherweise verschmutztes Wasser zurückzugreifen.

Windfuhr ist auch der Meinung, dass die meisten Probleme im Zusammenhang mit Wasser politischer Natur sind und mit Wasserknappheit nichts zu tun haben: "Auch in sehr trockenen Ländern sieht man immer noch, dass Golfplätze besprenkelt werden. In Burkina Faso gibt es Leute, die täglich 250-400 Liter Wasser verbrauchen, während andere noch nicht einmal die 50 Liter haben, die sie pro Tag benötigen. Dort, wo das Wasser tatsächlich knapp ist, ist es dennoch wichtig, die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherzustellen."

Am Beispiel der Wasserversorgung gegen Vorkasse, wie es in Johannesburg, Südafrika, praktiziert wird, kann man die Gefahr der Diskriminierung armer Menschen ablesen, wie Molefi Ndlovu vom Centre for Civil Society in Durban erklärt.

"Die Prepaid-Wasserzähler werden aufgestellt, um Wasser zu sparen. Allerdings nur in armen schwarzen Gemeinschaften und nicht in den hedonistischen Vorstädten, wo Wasser ganz einfach verschwendet wird", sagt er.

Bei den Betroffenen herrscht Verzweiflung. Ndlovu erzählt, dass sich unter dem Slogan "Destroy the meters, enjoy the water" (Zerstört die Zähler, genießt das Wasser) eine Widerstandsbewegung gebildet habe. Wer da mitmacht, riskiert allerdings Geldstrafen und Verhaftung.

Andere Bürger haben sich an die Gerichte gewandt, um das neue System verbieten zu lassen. Der Oberste Gerichtshof von Johannesburg hat kürzlich verfügt, dass die Situation verfassungswidrig sei. Er erklärte, dass die Menschen die Wahl zwischen Prepaid-Wasserzählern und normalen Wasseruhren haben müssten und dass die zur Verfügung gestellte kostenlose Wassermenge unzureichend sei.

Die Stimme der Kirchen

Prepaid-Wasserversorgungssysteme gehörten zu den Hauptthemen einer Konferenz des Ökumenischen Wassernetzwerks, die im April in Maseru, der Hauptstadt von Lesotho, stattfand. Wasserprofis in ganz Afrika blicken zurzeit auf das Königreich in den Bergen, weil die vom Wasserwerk in Maseru unlängst auf öffentlichen Plätzen aufgestellten Prepaid-Wasserzähler für die Industrie Modellcharakter haben.

In allen Erdteilen sind Kirchen an der Wasserversorgung beteiligt. Das Ökumenische Wassernetzwerk ruft die Kirchen nun auf, sich in der Lobbyarbeit für das Menschenrecht auf Wasser zu engagieren.

Dr. Åsa Elfström, Chefberaterin der Kirche von Schweden für Wasser- und Entwicklungsfragen und Mitglied der Steuerungsgruppe des Netzwerks erklärt: "Die Kirche hilft traditionell den Ärmsten und den am meisten Ausgegrenzten. Die Stimme von Menschen, die keinen Zugang zu Wasser haben, zählt nicht viel. In den meisten Ländern ist die Kirche hochangesehen, und wenn sie ihre Stimme erhebt, könnte das die Regierungen zu einem politischen Kurswechsel veranlassen."

Das Ökumenische Wassernetzwerk ist eine Initiative von Kirchen, christlichen Organisationen und Bewegungen, die sich weltweit für den Zugang von Menschen zu Wasser einsetzen und gemeinschaftsbasierte Lösungen der Wasserkrise fördern. Ziel ist, in der Debatte über Wasserfragen ein gemeinsames christliches Zeugnis abzulegen. Der Ökumenische Rat der Kirchen beherbergt das Sekretariat des Netzwerks und fördert die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Partnern.

Gastgeber der Konferenz "Es ströme das Recht wie Wasser" waren der Christenrat von Lesotho und die lokale Nichtregierungsorganisation Pelum.

(*) Christian Johannessen ist ein freiberuflicher Journalist aus Norwegen.

Fotogalerie zu den Prepaid-Wasserzählern in Maseru

Ökumenisches Wassernetzwerk