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Zaghafte Hoffnung nach Ende des Klimagipfels in Cancun

Zaghafte Hoffnung nach Ende des Klimagipfels in Cancun

Eine Aktivistin hat sich auf dem COP16-Gipfel mit einer Botschaft an die Delegationen aufnehmen lassen, um an der Fotopetition für Klimagerechtigkeit teilzunehmen.

01. Januar 2001

Das Abkommen von Cancun, das in den frühen Morgenstunden des 11. Dezember von der großen Mehrheit der Vertragsparteien auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP16) verabschiedet wurde, lässt vorsichtige Hoffnungen bei Kirchen und zivilgesellschaftlichen Gruppen keimen, die die Staaten der Welt zu durchgreifenden Maßnahmen aufgerufen hatten. Der Präsidentin der Konferenz gelang es, den Verhandlungsprozess, der letztes Jahr in Kopenhagen stark kritisiert worden war, zu verbessern und die Klimaverhandlungen bis zum Ende multilateral zu führen. So konnten einige – wenn auch unzureichende – Fortschritte erzielt werden.

„Die Regierungsvertreter und -vertreterinnen konnten sich ein Scheitern wie letztes Jahr in Kopenhagen nicht erlauben. Das Abkommen von Cancun zeigt, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind. Die Forderungen der Zivilgesellschaft und der Kirchen sind gehört worden. Jetzt müssen wir weiter für einen gerechten, ehrgeizigen und bindenden Vertrag kämpfen“, erklärte Dr. Guillermo Kerber, der Klima-Programmreferent des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK).

„Der ÖRK wird seine Arbeit für gerechte und wirksame internationale Maßnahmen im Rahmen des ökumenischen Bündnisses ‚Zeit für Klimagerechtigkeit’ und als Partner in der globalen TckTckTck-Klimaschutzkampagne fortsetzen“, fügte er hinzu.

Die Verhandlungen begannen in einer äußerst schwierigen Atmosphäre. Japan hatte zu Beginn erklärt, dass es einer zweiten Kyoto-Verpflichtungsperiode nicht zustimmen würde. Das Kyoto-Protokoll war 1997 in Kyoto (Japan) zur Umsetzung des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen beschlossen worden und war der erste bindende internationale Vertrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen.  

Einige Delegationen, einschließlich der russischen und US-amerikanischen, hielten in Cancun ihren Widerstand gegen den Vorschlag aufrecht, das Kyoto-Protokoll durch ein ehrgeizigeres Abkommen zu ersetzen. Mehrere große Schwellenländer, wie Brasilien, China und Indien, deren CO2-Emissionen zunehmen, wiesen auf Schritte hin, die sie zur Reduktion der Kohlenstoff-Intensität ihrer wirtschaftlichen Produktion unternehmen.

Ein wichtiges Ergebnis der Konferenz in Cancun war die Einrichtung eines „Klimafonds“, der insbesondere die am stärksten gefährdeten Länder in ihrem Bemühen unterstützen soll, sich an die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels anzupassen.

Für die ersten drei Jahre wurde die Weltbank als Treuhänderin des Fonds ernannt - eine Entscheidung, die von den Entwicklungsländern und Vertretern/innen der Zivilgesellschaft heftig kritisiert wurde. Allerdings werden die Entwicklungsländer in signifikanter Zahl im Vorstand der Stiftung vertreten sein. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Fonds seine Aufgabe, die Bedürftigsten zu unterstützen, tatsächlich erfüllt.

Das Ringen um einen verbindlichen internationalen Vertrag geht derweil weiter. Der UN-Klimagipfel im Dezember 2011 in Durban (Südafrika) wird vermutlich die letzte Gelegenheit bieten, eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll zu beschließen.

Allerdings haben Japan und Russland, zumindest in Cancun, zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht zur Vereinbarung neuer Ziele bereit sind. Daher ist absehbar, dass zwischen der Ende 2011 auslaufenden ersten Verpflichtungsperiode und einer zweiten unweigerlich eine Lücke klaffen wird.

„Die ökumenische Delegation verlässt den COP16 -Gipfel in Cancun froher als die COP15 letztes Jahr in Kopenhagen“, fügte Kerber hinzu. Christliche Organisationen, wie Caritas, ÖRK und das internationale ökumenische ACT-Bündnis, leisteten gemeinsame Lobbyarbeit, organisierten eine interreligiöse Feier und eine Veranstaltung am Rande der Klimakonferenz. Die ökumenische Kampagne „Zeit für Klimagerechtigkeit“ erhielt auf dem Verhandlungsgelände sowie bei einer Demonstration in den Straßen von Cancun viel Aufmerksamkeit.

Menschen innerhalb und außerhalb der christlichen Gemeinschaft stellen die Frage, warum die Kirchen bei den Klimaverhandlungen überhaupt dabei sind. In einer gemeinsamen Erklärung äußerten sich die Delegationen des ÖRK und des Lutherischen Weltbundes (LWB) dazu folgendermaßen: „Kern des Engagements der Kirchen ist es, die Verhandlungsparteien daran zu erinnern, dass es über die technischen Aspekte der Abschwächung des Klimawandels, der Anpassung an seine Folgen, des Technologietransfers und der Finanzierung hinaus eine ethische Verantwortung gibt, die wir nicht ignorieren dürfen.“

In der Erklärung heißt es weiter, dass ethische Prinzipien in den tumultartigen Verhandlungen häufig übersehen oder übergangen würden und „Kirchen und Glaubensgemeinschaften [deshalb] die moralische Verpflichtung haben“, Gerechtigkeit zu fordern und eine Botschaft der Hoffnung zu verkünden.

Im Endstadium der Verhandlungen ließ die NASA verlauten, dass 2010 wohl das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen durch die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration sein werde.

„In Sachen Klimadebatte wird 2011 ein noch heißeres Jahr werden, denn die Aufklärungs- und Advocacy-Arbeit wird das ganze Jahr über bis zur COP17 in Durban andauern, wo die afrikanischen Kirchen den Prozess bereits in Gang gesetzt haben“, betonte Kerber.

Vollständiger Text der ÖRK/LWB-Erklärung(auf Englisch)

ÖRK-Pressemitteilungen zu den Verhandlungen in Cancun:

Klimaverhandlungen dürfen nicht wieder scheitern, sagt ÖRK (auf Englisch, 10. Dezember 2010)

Glaubensgemeinschaften betonen ethische Dimension des Klimawandels (auf Englisch, 8. Dezember 2010)

Demonstration für Klimagerechtigkeit in den Straßen von Cancun (auf Englisch, 7. Dezember 2010)

Bewahrung der bedrohten Schöpfung im Mittelpunkt interreligiöser Feier in Cancun (auf Englisch, 7. Dezember 2010)

Kirchenvertreter bei Klimagipfel wollen moralische Entscheidungen (25. November 2010)

Weitere Informationen zur ÖRK-Kampagne für Klimagerechtigkeit