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Myanmar: Einsatz für ökologische Gerechtigkeit unter schwierigen Umständen

Myanmar: Einsatz für ökologische Gerechtigkeit unter schwierigen Umständen

Um das von ihm im Rahmen des Programms „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ Gelernte weiterzugeben, rief Hau Sian Suan in Myanmar sein eigenes Projekt zum Thema „Klimawandel und Wassermanagement“ ins Leben. © Nang Kim Mang

01. Dezember 2012

Von Susan Kim (*)

Hau Sian Suan, ein junger Mann aus Myanmar, und einige Gleichgesinnte haben sich zusammengeschlossen, um sich gemeinsame auch in Gemeinschaften, in denen Kommunikation schwierig ist, für ökologische Gerechtigkeit einzusetzen. Suan denkt gerne an die Momente zurück, die eine neue Initiative in seiner Heimat geprägt haben.

Nachdem er in der Baptistengemeinde in Lawibual in Myanmar an einem Forum über Klimawandel teilgenommen hatte, erinnert sich Suan, pflanzte er zusammen mit einer Gruppe junger Menschen auf dem Grundstück der Kirche 21 Bäume.

Diese frisch gepflanzten Bäume zu sehen, war inspirierend – aber die Unterhaltungen mit den anderen jungen Menschen über den Klimawandel hinterließen einen noch größeren Eindruck bei Suan. „Ich hab erfahren, dass jungen Leute in meiner Region innovative und interessante Ideen zum Thema Klimawandel haben, denn sie sind in ihrem täglichen Leben mit Problemen konfrontiert, die darauf zurückzuführen sind“, erklärt er.

 

 

An dem Tag, an dem sie gemeinsam Bäume pflanzten, wuchs die Begeisterung der jungen Leute und sie versprachen sich, die gemeinsame Arbeit weiterzuführen, da sie ihnen sehr wichtig geworden war. „Ich werde diesen tollen Tag nie vergessen“, freut sich Suan.

Im vergangenen Jahr nahm Suan dann an dem Programm „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ (Y4EJ) teil, das vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und dem Lutherischen Weltbund (LWB) gemeinsam organisiert wurde. Wieder zu Hause fand er Wege und Mittel, das von ihm Gelernte in den schwierigen Gegebenheiten seiner Heimat praktisch anzuwenden.

Suan lebt in Tiddim im nördlichen Teil des Staates Chin im Westen Myanmars. „Es ist schwierig, hierher zukommen und auch die Kommunikation ist nicht einfach“, erklärt er. „Nach Rangun, Myanmars Wirtschaftshauptstadt, ist man normalerweise drei Tage und Nächte unterwegs und während der Regenzeit dauert es noch länger.“

Nachdem er an Y4EJ teilgenommen hatte, war Suan fest entschlossen, sein neues Wissen und seine Begeisterung an andere Menschen weiterzugeben. „Ich bin mit dem Fahrrad in drei Dörfer gefahren. Und die Wege dorthin waren wirklich schwierig und holperig.“

Er rief ein Programm zum Thema „Bewusstseinsbildung für Klimawandel und Wassermanagement“ ins Leben.

In diesem Trainingsprogramm beschäftigt er sich nicht nur mit dem theologischen Aspekt von ökologischer Gerechtigkeit und Gerechtigkeit allgemein; er informiert junge Menschen auch über die neusten technologischen Fortschritte, mit denen die Nutzung von Feuerholz und Holzkohle reduziert werden kann. „Die Nutzung dieser Brennstoffe zu reduzieren trägt auch dazu bei, die CO2-Emissionen zu reduzieren“, führt er aus.

 

Junge Menschen motivieren: Fünf Tipps von Suan

1. Erreichbare Ziele vorschlagen.
„Da es in Myanmar an Elektrizität fehlt, sind die Menschen auf Feuerholz angewiesen, um Essen zu kochen. Ihnen vorzuschlagen, keine Bäume mehr zu fällen, wäre Unsinn“, erklärt Suan. „Ihnen aber zu sagen, das Feuerholz so effizient wie möglich zu nutzen und es nicht zu verschwenden, hat für sie mehr Bedeutung.“

2. Eine Theologie zur „Bewahrung der Schöpfung“ einführen.
Um die jungen Menschen in seiner Gemeinschaft weiter zu befähigen, begründet Suan alle seine Bemühungen in einer Theologie, nach der die Bewahrung der Schöpfung Erlösung ist. „Ich konzentriere mich auf diesen Aspekt der Theologie, um ihnen zu helfen, das Konzept ‚ökologische Gerechtigkeit‘ zu verstehen.“

3. Junge Menschen nach draußen bringen.
„Einen Tag im Monat veranstalten wir einen ‚Arbeitstag‘“, erklärt Suan. „Das bedeutet, wir räumen den Plastikmüll am Straßenrand auf und machen die Rinnsteine sauber.“

4. Sich auf Themen konzentrieren, die das tägliche Leben betreffen.
„Wir leiden unter dem Klimawandel, weil es zu viel regnet und dadurch an vielen Orten die Straßen davonschwimmen“, so Suan weiter. „Außerdem haben wir nicht genug sauberes Trinkwasser oder Elektrizität, die aus Wasserkraft gewonnen wird.“ Daher konzentriert er sich auf Themen, mit denen „wir in unserem alltäglich Leben konfrontiert sind“.

5. Ein Gefühl der Hoffnung vermitteln.
Von Öfen, die weniger Holz verbrauchen, bis hin zu biologischem Gartenbau – Suan und andere junge Menschen in Myanmar lernen etwas über neue Produkte und Vorgehensweisen, um von der Basis her eine „grüne“ Wirtschaft aufzubauen.

 

Außerdem hält Suan seine Augen offen für neue umweltfreundliche Produkte. Mindestens ein Mann in seiner Umgebung stellt spezielle Öfen her, die weniger Feuerholz benötigen. Aber diese sind für die meisten Menschen derzeit noch zu teuer. Suan hofft, dass der Preis sinken wird, wenn mehr dieser Öfen gebaut werden.

[429  Wörter;  Tipps: 236 Wörter]

Dieser Featureartikel ist Teil einer Reihe von Artikeln, die über Initiativen informieren sollen, die Teilnehmende des Workshops „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ im Anschluss an den Workshop als weiterführende Maßnahmen ins Leben gerufen haben.

(*) Susan Kim ist freischaffende Autorin aus Laurel (Maryland/USA).

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Der LWB und „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ (in englischer Sprache)

Weitere Informationen zur Arbeit des ÖRK zum Thema ökologische Gerechtigkeit