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Rabbinischer Kommentar zur gemeinsamen Wassernutzung in Israel und Palästina

Eine Betrachtung von Rabbi Awraham Soetendorp für die letzte der Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2016.
Rabbinischer Kommentar zur gemeinsamen Wassernutzung in Israel und Palästina

Ein Becken für rituelles Händewaschen am Eingang zur Ramban-Synagoge, Jerusalem. Foto: Deror Avi.

7. Woche

Hinweis: Die Meinungen, die in den Bibelbetrachtungen und verlinkten Hintergrundmaterialien zum Ausdruck kommen, spiegeln nicht notwendigerweise die Position des ÖWN und des ÖRK wider.

Von Rabbi Awraham Soetendorp

Arabische Übersetzung (pdf)

Wasser und Feuer sind zwei unverzichtbare Lebenskräfte. Als solche sind sie eine Gabe Gottes an die Menschheit.

Gleichzeit können sie sich aber in zerstörerische Kräfte verwandeln, wenn man nicht vorsichtig mit ihnen umgeht.

Im biblischen Bericht und später in den rabbinischen Kommentaren werden die Menschen ermahnt, verantwortungsbewusst bei der Bewahrung und Verteilung sauberen Wassers zu handeln.

In diesem Sinne ist auch die sanitäre Versorgung eine wichtige Verantwortung des Menschen.

In einem der Kommentare wird der Mensch davor gewarnt, verantwortungslos mit natürlichen Ressourcen wie zum Beispiel Wäldern umzugehen.

Vielleicht wird keine nachfolgende Generation mehr in der Lage sein, diese Schäden zu beheben.

Generationenübergreifende Verantwortung.

Die Welt zeigt in dieser existenziellen Situation zwei in sich widersprüchliche Verhaltensweisen.

Auf der einen Seite erleben wir die Schrecken von Flüchtlingen, die voller Verzweiflung vor den unerträglichen Gewaltkonflikten aus ihrer Heimat fliehen, und ein beschämendes Bild der Unfähigkeit von Staaten und ihren Bürgerinnen und Bürgern, diese Menschen gastfreundlich in angemessener Weise aufzunehmen. Auf der anderen Seite war die Bereitschaft noch nie so groß, Maßnahmen zum Schutz der Erde zu ergreifen.

Das Judentum begrüßt die hoffnungsvolle Zusammenarbeit, zu der die Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten gefunden hat und die darauf abzielt, eine gesunde Umwelt zu erhalten und die akute Armut zu beenden.

Das gilt auch für die Einigkeit der Vereinten Nationen bei der Verabschiedung der globalen Nachhaltigkeitsziele. Das in Paris erzielte Abkommen über Maßnahmen, die eine gesunde Zukunft für die gesamte Lebensgemeinschaft sichern sollen, ist ein leuchtendes Zeichen der Hoffnung.

All diese Maßnahmen nennen als wichtige Forderung den gleichberechtigten Zugang zu Trinkwasser.

Ich unterstütze vorbehaltlos die Erklärungen von EcoPeace und ihre Empfehlungen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass der Konflikt zwischen Israel und Palästina ein Konflikt zwischen Recht und Recht ist, und dass deshalb eine sichere und friedliche Lösung gefunden wird.

Die Zusammenarbeit bei der Sicherung des Zugangs zu Trinkwasser wird diesen existenziellen Prozess weiter fördern.

Die Renaturierung des Jordans ist in diesem Kontext ein lebenswichtiges Projekt.

Es gibt noch ein weiteres positives Phänomen, das einen Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben leistet.

Die unterschiedlichen spirituellen Traditionen haben sich eindeutig aufeinander zubewegt in der Erkenntnis, dass wir einander brauchen, wenn wir unser gemeinsames Ziel von Frieden und Gerechtigkeit erreichen wollen.

Ich bezeichne diese Zusammenkunft als eine stille, freundliche Revolution.

Das Treffen führender Persönlichkeiten des Judentums, des Christentums und des Islams und anderer Gruppierungen am Ufer des Jordans vor einigen Jahren war eine der bewegendsten Erfahrungen meines Lebens.

Reichen wir uns die Hände für die gemeinsame Aufgabe, die lebensspendende Kraft des Wassers zu schützen und vorhandene Ressourcen gemeinsam zu nutzen.

Möge uns das Wasser Einigkeit und Frieden bringen.

Lesen Sie auch: Wasserfragen und Friedensempfehlungen für den Nahen Osten nach der Strategie der „niedrig hängenden Früchte“, von EcoPeace Middle East (pdf)


* Rabbi Awraham Soetendorp ist ein mehrfach ausgezeichneter Vorkämpfer für Menschenrechte, internationale Zivilgesellschaft und Umweltschutz,der sich in einer Vielzahl progressiver, humanitärer und interreligiöser Organisationen und Initiativen engagiert. Unter anderem ist er der Gründer des Jacob-Soetendorp-Instituts für Menschliche Werte, Vorsitzender von Green Cross in den Niederlanden, Botschafter der Millennium-Entwicklungsziele, und hat vom Internationalen Rats der Christen und Juden eine Goldmedaille für “Frieden durch Dialog” erhalten. Er ist Mitgründer der weltweiten interreligiösen Allianz für Wasser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene (Global Interfaith WASH Alliance, GIWA), deren strategischer Partner das ÖWN seit ihrer Gründung ist.