Ecumenical Water Network

Das ÖWN ist ein Netzwerk christlicher Organisationen und Kirchen, das für sauberes Wasser für alle Menschen eintritt

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Blue Community: Kirchen beziehen Stellung zum Recht auf Wasser

Die abschließenden Betrachtungen zur Fastenzeit-Kampagne: „Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2017" des Ökumenischen Wassernetzwerks (ÖWN) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) stammen von Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri. Dr. Phiri ist die stellvertretende Generalsekretärin des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und verantwortlich für den ÖRK-Arbeitsbereich öffentliches Zeugnis und Diakonie.
Blue Community: Kirchen beziehen Stellung zum Recht auf Wasser

Prof. Dr Isabel Apawo Phiri, stellvertretende Generalsekretärin des ÖRK und Dinesh Suna, ÖWN-Koordinator. ©Peter Williams/WCC

Die abschließenden Betrachtungen zur Fastenzeit-Kampagne: „Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2017" des Ökumenischen Wassernetzwerks (ÖWN) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) stammen von Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri.  Dr. Phiri ist die stellvertretende Generalsekretärin des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und verantwortlich für den ÖRK-Arbeitsbereich öffentliches Zeugnis und Diakonie.

Dr. Apawo Phiri stammt aus Malawi und war als Professorin für afrikanische Theologie, Dekanin und Leiterin der School of Religion, Philosophy and Classic sowie als Direktorin des  Zentrums für Konstruktive Theologie an der Universität KwaZulu Natal im südafrikanischen Pietermaritzburg tätig.  In dieser Betrachtung erklärt sie das Konzept der 'Blue Community' und beschreibt, warum die Flaschenwasserindustrie ein Hindernis für die Durchsetzung des Menschenrechts auf Wasser ist. Danach schildert sie uns den Weg des ÖRK bis zur Anerkennung als Blue Community, an der das ÖWN als ökumenische Initiative einen großen Anteil hatte.


7. WOCHE

Blue Community: Kirchen beziehen Stellung zum Recht auf Wasser

Von Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommet her zum Wasser! Und die ihr nicht Geld habt, kommet her, kaufet und esset! Kommt her und kauft ... ohne Geld und umsonst. /Jes 55,1/

In den vergangenen Jahren hatte ich die Gelegenheit, die Führungsspitze des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) beim Ökumenischen Wassernetzwerk zu vertreten und die Initiativen des ÖWN zu begleiten, ÖRK-Mitgliedskirchen zu Blue Communities zu machen.  Am 25. Oktober 2016 hat der ÖRK im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung, die ich im Ökumenischen Zentrum in Genf geleitet habe, den Status einer Blue Community erhalten   Dr. Maude Barlow vom Blue Planet Project, Kanada, überreichte dem ÖRK das Zertifikat, begrüßte uns in der Blue Community und weihte die neu aufgestellten Tafelwasserspender im Ökumenischen Zentrum ein.

Lassen Sie mich die drei Kriterien erklären, die eine Blue Community erfüllen muss:

  • Anerkennung von Wasser als Menschenrecht.
  • „Nein“ zum Verkauf und zur Verwendung von Flaschenwasser dort, wo es sicheres Leitungswasser gibt.
  • Förderung einer Wasser- und Abwasserwirtschaft, die öffentlich finanziert und betrieben wird und im Besitz der Kommunen ist.

Entsprechend den Verpflichtungen des ÖRK im Rahmen einer Blue Community haben wir jetzt Wasserflaschen aus Glas für das ÖRK-Personal und die BesucherInnen individuell gestaltet. Da Leitungswasser sicheres Trinkwasser ist, lehnen wir Flaschenwasser in den Räumlichkeiten des ÖRK ab.

Bereits 2015 hatte des Ökumenische Wassernetzwerk (ÖWN) des ÖRK einen Aufruf veröffentlicht und darin die Mitgliedskirchen nachdrücklich aufgefordert, in Nordamerika und Europa auf Flaschenwasser zu verzichten, da es dort überall sauberes Leitungswasser gibt.  In einer Erklärung heißt es:

„Das ÖWN ist davon überzeugt, dass zu den zahlreichen Hindernissen für die Durchsetzung des Menschenrechts auf Wasser auch die 'Flaschenwasserindustrie' zu zählen ist.” Danach werden zahlreiche überzeugende Gründe aufgeführt, warum Flaschenwasser zu meiden ist.  Hier eine kleine Auswahl:

1)       Die Flaschenwasserindustrie beteiligt sich an unrechtmäßigen Landaneignungen (land grabbing) und an der Übernahme von Verfügungsrechten über Grundwasser (water grabbing) auf Kosten der Armen, die keinen Zugang mehr zu sicherem Trinkwasser haben. Allzuoft verweigern die Regierungen ihre Verantwortung für die Bereitstellung einer sicheren Trinkwasserversorgung für die Armen mit Hilfe der öffentlichen Wasserwirtschaft und weisen darauf, man habe als Alternative ja Flaschenwasser. Die Verfügbarkeit von Flaschenwasser erlaubt es den Eliten, das Versagen der Regierungen bei der Bereitstellung einer notwendigen Infrastruktur für die Versorgung mit sicherem Trinkwasser zu ignorieren.

2)      Flaschenwasser vergeudet Wasser: Typischerweise wird 1 Liter Wasser verschwendet, um einen Liter Flaschenwasser zu produzieren. Man braucht dreimal so viel Wasser zur Herstellung einer Plastikflasche wie zur Befüllung dieser Flasche.

3)      Die Herstellung von Kunststoff für Wasserflaschen verbraucht eine beträchtliche Menge fossiler Energieträger und führt zu Wasser- und Luftverschmutzung.

4)      Der Energieverbrauch für die Befüllung der Flaschen und ihren Vertrieb ist erheblich, gemessen in Öläquivalenten muss 1/4 Liter Öl eingesetzt werden, um eine Literflasche Wasser zu produzieren und in den Handel zu bringen. Die damit verbundenen Treibhausgasemissionen belasten unser Klima und verschärfen den Klimawandel.

5)      Mehr als 63 Millionen Plastikflaschen landen jedes Jahr auf Deponien, in den Weltmeeren und in der Umwelt.  Es dauert mehrere hundert Jahre, bis sich eine Plastikflasche vollständig zersetzt hat. Bei der Verbrennung von Plastikflaschen entstehen unterschiedliche toxische Luftschadstoffe. Es gibt kein wirklich empfehlenswertes Verfahren, Kunststoffabfälle in fester Form zu entsorgen.

All dies sind gute Gründe, auf Flaschenwasser zu verzichten.  Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der  Flaschenwasserindustrie sorgen jedoch für glänzende Geschäfte.  In vielen Industrieländern ist Flaschenwasser teurer als Benzin, Wein und Milch.

Aus diesem Grund fördert der ÖRK das Konzept der Blue Communities, inspiriert durch den Bibelspruch, den wir an den Anfang unserer Ausführungen gesetzt haben. Jesaja sagt: „Und die ihr nicht Geld habt, kommet her und kauft Wasser ohne Geld und umsonst."  Im Alten Testament ist Wasser ein machtvolles Symbol für Gott. Jesus hat für uns die gleiche Botschaft. In seinem Gespräch mit der Samariterin am Brunnen sagte er:  „Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: "Gib mir zu trinken!", du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser." (Joh 4,10).  Diesen Gedankengang führt er in Joh 4,14 fort, indem er sagt: „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten;  sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt."   Eine direktere Aufforderung finden wir in Joh 7,37, als Jesus ruft: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Diese Aufforderung finden wir auch am Ende des Buchs der Offenbarung: „Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst" (Offb 22,17)  Und während dieser heiligen Woche werden wir an Jesus erinnert, der am Kreuz spricht: „Mich dürstet!" (Joh 19,28). Als Jesus Erlösung von seinen Qualen und seinem Leid am Kreuz suchte, sprach er gleichzeitig für die gesamten Menschheit, die an Durst leidet.

Ob sich der Hinweis auf das lebende Wasser in den oben zitierten Bibelversen auf Gott, Jesus, den Heiligen Geist oder die Erlösung bezieht - während dieser letzten Woche der Fastenzeit-Kampagne müssen wir uns mit der Bedeutung des Todes Jesu am Kreuz für die Christenheit befassen.  Diese Woche ist für uns auch eine Zeit, uns daran zu erinnern, dass die Vereinten Nationen 2010 Wasser zum Menschenrecht erklärt haben. Auf der Neunten Vollversammlung des ÖRK in Porto Alegre, Brasilien wurde die Erklärung „Wasser - Quelle des Lebens“ veröffentlicht. Darin heißt es: „Wasser ist ein Symbol für das Leben. Die Bibel nennt das Wasser Ursprung des Lebens, Ausdruck der Gnade Gottes für die gesamte Schöpfung in Ewigkeit (1.Mos 2,5ff). Es ist eine Grundvoraussetzung allen Lebens auf der Erde (1.Mos 1,2ff) und muss bewahrt und mit allen Lebewesen und der übrigen Schöpfung geteilt werden."

Diese hier zitierten Bibelstellen sagen, dass der Menschen nicht dazu gezwungen werden sollte, für Wasser zu bezahlen, wenn er es sich kaum leisten kann, Nahrungsmittel zu kaufen. Wenn es aber darum geht, sicheres Trinkwasser für alle zu finden, machen wir ganz andere Erfahrungen. Die großen Konzerne unternehmen alles, um Zugriff auf möglichst viel Quellwasser zu bekommen und dies dann mit übermäßigem Profit zu verkaufen. In vielen Fällen filtern sie das Leitungswasser einfach und verkaufen es dann zu Preisen, die um bis zum Tausendfachen über dem Preis von Leitungswasser liegen. Das mag in Ländern sinnvoll sein, in denen Leitungswasser nicht sicher ist und die Menschen es sich leisten können, Flaschenwasser zu kaufen. Der  überwiegende Teil der armen Bevölkerung in Afrika kann von sicherem Trinkwasser jedoch nur träumen. Diese Wirklichkeit hat mich 2015 hart getroffen, als Überschwemmungen in meinem Heimatland Malawi dazu geführt haben, dass sogar das Leitungswasser verschmutzt und nicht mehr trinkbar war.  Ich musste feststellen, dass nur 5 Prozent der Menschen in der Lage waren, sicheres Flaschenwasser zu kaufen. Die Mehrheit der Menschen konnte es sich nicht leisten, sicheres Trinkwasser zu kaufen. Trotz der Tatsache, dass sicheres Trinkwasser das Recht jedes Menschen ist, erheben sich die Stimmen der Menschen christlichen Glaubens in Afrika leider nicht, um die Regierungen für die Bereitstellung sicheren Trinkwassers für alle in die Pflicht zu nehmen.

Fragen zur Diskussion:

  1. Wir verstehen Sie Jesu Aufforderung: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ (Joh 7,37).
  2. Kann Ihre Gemeinschaft eine Blue Community werden?
  3. Falls ja, auf welche Kriterien für eine Blue Community würden Sie besonderen Wert legen und warum?
  4. Was erwartet Gott Ihrer Meinung nach in der letzten Woche der Fastenzeit-Kampagne von Ihnen, wenn es um das Recht auf Wasser geht?

Hintergrundmaterial (in englischer Sprache):

Bottled water: the big con

The Story Of Stuff. Bottled Water

WCC Joins the Blue Community