Ecumenical Water Network

Das ÖWN ist ein Netzwerk christlicher Organisationen und Kirchen, das für sauberes Wasser für alle Menschen eintritt

2. Woche

Die Bibelbetrachtung für diese Woche schrieb Anne Louise Mahoney aus Kanada. Sie wurde zum ersten Mal während der Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2010 veröffentlicht. Das übergeordnete Thema der Bibelbetrachtungen damals war „Heilige Wasser“. Wir haben die Bedeutung und Verwendung des Wassers in unseren liturgischen Traditionen erkundet, und was uns diese zu sagen hat über die Bedeutung und Verwendung von Wasser in unserem Alltag. Und anders herum – wie kann die Realität des Wassers in unserer heutigen Zeit, inklusive der globalen Wasserkrise, unsere liturgische Verwendung von Wasser informieren und inspirieren?
2. Woche

Detail eines Mosaikbildes der Taufe Christi.

Wasser der Taufe, Wasser des Lebens

Bibelbetrachtung von Anne Louise Mahoney*

Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. (Isaiah 12:3)

In meiner Pfarrkirche steht ein großes Taufbecken. Sowohl Kinder als auch Erwachsene werden dort getauft. Fast das ganze Jahr hindurch bildet das sanfte Plätschern des fließenden Wassers während der Sonntagsgottesdienste – besonders in Momenten der Stille oder des Gebetes – eine friedliche akustische Kulisse, die uns an unsere Taufe erinnert.

Doch am Aschermittwoch ändert sich alles. Das Wasser wird abgelassen und das Taufbecken dann mit Sand und Steinen gefüllt – trocken, leblos, schweigend. Ich werde jedes Jahr aufs Neue davon überrascht. Ob wir wollen oder nicht: die „Wüstenzeit“ ist angebrochen.

Sieben endlose Wochen lang gehe ich jeden Sonntag an dem mit Sand gefüllten Taufbecken vorbei. Ich vermisse das Wasser, seine Feuchtigkeit, sein Gurgeln, seine kühlende Präsenz. Ich muss dann immer an die Wüsten in meinem eigenen Leben denken: verdorrte Beziehungen, zerstörerische Gewohnheiten, nichtssagendes Gebet, Egoismus, Stolz, fehlendes Mitgefühl. Widerstrebend verweile ich an diesem unwirtlichen Ort und versuche neu zu entdecken, was lebenspendend ist.

Mit zunehmender Vorfreude auf Ostern fange ich an, mir die Rückkehr des Wassers vorzustellen. In der Karwoche regt sich in mir die Hoffnung, denn ich weiß, dass das Wasser, wenn ich die Kirche zur Osternachtsfeier betrete, wieder fließen und Musik für meine Ohren und für meine Seele sein wird.

Das Warten, die Entbehrung lohnt sich immer, um das Wasser in dieser Nacht neu erfahren zu können. Noch ehe wir zu dem glanzvollen Augenblick der Taufe gelangen, strömen die Lesungen über von Hinweisen auf Wasser. Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Gott lässt Wasser in den Tälern quellen. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude. Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Von dem Augenblick an, in dem unser Leben beginnt, ist das Wasser der Schlüssel zu unserer Zukunft. Ohne Wasser sterben wir. Wir trinken es, kochen damit, baden darin, waschen Kleider, spülen Geschirr und putzen Böden damit, tränken Tiere und Pflanzen damit und verwenden es dazu, alle möglichen Dinge herzustellen. Als Christinnen und Christen werden wir damit getauft. Wasser ist eine elementare Kraft in unserem Leben, die sich oft unserer Kontrolle entzieht. Wenn es bei Orkanen, Überschwemmungen oder Schneestürmen seine volle Kraft entfesselt oder wenn es völlig austrocknet, erkennen wir, welche Macht es über uns hat.

Heute müssen wir uns dafür verantworten, dass wir Misswirtschaft mit dem Wasser getrieben haben. Wir müssen der beschämenden Tatsache ins Auge sehen, dass dieser lebenswichtige Rohstoff nicht allen Menschen zur Verfügung steht. Tatenlos schauen wir zu, während das Eis in der Arktis schmilzt und damit das prekäre ökologische Gleichgewicht unseres Planeten in Gefahr bringt. Als Christen, die durch das Wasser der Taufe in Jesus wiedergeboren sind, sind wir dazu berufen, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen.

Jedes Jahr in der Osternacht werden wir wieder nachhaltig daran erinnert, dass das Wasser Gottes Geschenk an uns ist - sowohl in der Taufe als auch im täglichen Leben. Ja, Wasser ist Leben. Bei der Taufe kommen wir Christen mit dieser Quelle des Lebens auf eine Weise in Berührung, die unser Leben völlig verändern kann. Wir erstehen mit Christus zu neuem Leben auf. Während wir hingehen in Christus, müssen wir daran denken, dass Wasser ein Segen ist, den es zu schätzen, mit allen Menschen zu teilen und für zukünftige Generationen zu erhalten gilt.

* Anne Louise Mahoney ist römisch-katholisch und arbeitet als freiberufliche Redakteurin für verschiedene christliche und weltliche Organisationen. Sie lebt in Ottawa, Kanada.

Anregungen für Aktivitäten oder zur Reflexion

Denken Sie über die „Wüsten“ in Ihrem eigenen Leben nach, über die Aspekte Ihres Lebens, die bewirken, dass Sie sich verletzlich fühlen und dass Ihnen etwas fehlt. Denken Sie daran, dass die Wüste in der Bibel auch ein Ort der asketischen Meditation ist, und fragen Sie sich, in welcher Situation und an welchem Ort Sie sich Gott näher fühlen.

Denkanstöße

  1. Inwiefern kann die Wasserkrise für die Krisen stehen, denen wir auf unserem spirituellen Weg begegnen können?
  2. Welche Rolle spielt das Wasser für das Gebet in Ihrem Leben oder Ihrer Gemeinschaft?
  3. In welchen Bereichen Ihres Lebens streben Sie während dieser Fastenzeit mehr Ausgewogenheit an?

Was Sie tun können

  • Organisieren eine Bibelarbeit / Gruppenmeditation um den Taufstein Ihrer Kirche. Lassen Sie den Teilnehmern einen Moment Zeit, sich in Stille zu besinnen, um sich anschließend darüber auszutauschen, wie sie ihre – sowohl spirituelle als auch materielle – Beziehung zum Wasser im Alltag erleben.
  • Erarbeiten Sie mit Ihrer Familie oder Ihrer Glaubensgemeinschaft drei Vorschläge, wie Wasser respektvoller oder effizienter verwendet werden kann, und setzen Sie sie in die Tat um.
  • Denken Sie über die „Wüsten“ in Ihrer Gemeinschaft oder in Ihrer Stadt nach (d.h. über Orte, die von Missbrauch und von Misswirtschaft mit Wasser betroffen sind oder an denen Menschen keinen Zugang zu Wasser haben). Können Sie herausfinden, welche Netzwerke oder Organisationen sich mit diesen Themen befassen und wie Sie diese mit Ihrem Gebet, Ihrer Zeit oder mit anderen Mitteln unterstützen können?
  • Helfen Sie dem Ökumenischen Wassernetzwerk, entscheidende Wasserfragen anzugehen. Sie können sich auf viele Art und Weisen an der Lösung der Probleme beteiligen.

 

Die Meinungen, die in den Bibelbetrachtungen zum Ausdruck kommen, spiegeln nicht notwendigerweise die Position des ÖWN und des ÖRK wider. Dieses Material darf unter Angabe des Autors/der Autorin nachgedruckt werden.