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Solwara: Salzigkeit und der Flüssige Kontinent - Eine Einführung in die Sieben Wochen im Zeichen des Wassers aus der Sicht von Ozeanien (Pazifik)

Die erste Betrachtung zu den Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2020 des Ökumenischen Wassernetzwerks des ÖRK kommt von Pfarrer James Bhagwan, einem ordinierten Geistlichen der Methodistischen Kirche in Fidschi.
Solwara: Salzigkeit und der Flüssige Kontinent - Eine Einführung in die Sieben Wochen im Zeichen des Wassers aus der Sicht von Ozeanien (Pazifik)

Pfarrer James Bhagwan, Generalsekretär der Pacific Conference of Churches. Foto: Marcelo Schneider / ÖRK

Die erste Betrachtung zu den Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2020 des Ökumenischen Wassernetzwerks des ÖRK kommt von Pfarrer James Bhagwan, einem ordinierten Geistlichen der Methodistischen Kirche in Fidschi. Pfarrer Baghwan hat einen Bachelor der Religionswissenschaften (mit Auszeichnung) in Ökumenischen Studien vom Pacific Theological College (Pazifische Theologische Hochschule) in Suva, Fidschi und einen Master der Theologie in Christlicher Sozialethik von der Methodist Theological University (Methodistische Theologische Universität) in Seoul, Südkorea. Zurzeit dient er als Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz. In seinen einführenden Betrachtungen zur Fastenzeit-Kampagne bezeichnet er sich selbst und seine Gemeinde als „Volk des Meeres“ und beklagt, dass das Meer Gefahr läuft, seinen Salzgehalt, der auf einzigartige Weise für die Zukunftsfähigkeit der Erde sorgt, zu verlieren.

Einführung

Dieses Jahr richtet der Ökumenische Rat der Kirchen auf seinem fortlaufenden Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens das Augenmerk auf den Pazifikraum. Der Pazifikraum, auch bekannt als Ozeanien, wird manchmal als „Flüssiger Kontinent“ bezeichnet. Damit wird bescheinigt, dass der Pazifische Ozean, das größte Meer der Welt, die Inselstaaten, die man auf Landkarten oft nur als grüne Kleckse inmitten einer großen blauen Fläche sieht, nicht voneinander trennt. Für die Inselbewohner des Pazifiks stellt das Meer die Verbindung zwischen unseren Inseln dar. Es ist unsere Autobahn, auf der Kanus reisten, Beziehungen knüpften und Geschichten, Wissen, Nahrung und Geschenke weitergaben, und das jahrtausendelang. Es ist die Mutter, die uns nährt, die Quelle des Lebens, die Heimstatt von Fischen und Muscheln und mächtigen Walen.

Während der Schwerpunkt der Sieben Wochen im Zeichen des Wassers sonst meist auf Süßwasser liegt - und tatsächlich richtet sich das Augenmerk der anderen sechs Betrachtungen auf Süßwasser zum Trinken, für sanitäre Einrichtungen, Landwirtschaft usw. - werden Sie in dieser Einführung aufgefordert, sich mit der Salzigkeit Ozeaniens und dem Salzgehalt unseres Pazifischen Ozeans als Wasser des Lebens zu beschäftigen.

„Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man's salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten.“
(Matthäus 5:13 Luther-Bibel 1545)

Betrachtungen

Die Rolle, die Salz im Essen und in unseren Körpern spielt, ist wohlbekannt und diente in unseren Kirchen so mancher Predigt und mancher Betrachtung als Einleitung. Doch die Rolle des Salzes im Meer und die Bedeutung des Meeres für unsere Region ist weniger bekannt.

Der Salzgehalt ist aus zwei Gründen wichtig:

  • Zusammen mit der Temperatur beeinflusst er direkt die Dichte des Meerwassers (salziges Wasser ist dichter als Süßwasser) und dadurch die Zirkulation der Meeresströmungen von den Tropen zu den Polen. Diese Strömungen steuern, wie die Wärme in den Meeren transportiert wird, und regeln damit schlussendlich das Weltklima.
  • Der Salzgehalt an der Meeresoberfläche ist eng mit dem gesamten Wasserkreislauf auf der Erde verknüpft und damit, wie viel Süßwasser die Meere durch Verdunstung verlässt bzw. über Niederschläge in die Meere gelangt. Die Messung des Salzgehalts ist eine Methode zur genaueren Untersuchung des Wasserkreislaufs.[i]

Nachdem ein beträchtlicher Teil der „Lungen der Erde“ - die Regenwälder im Amazonasgebiet und in Indonesien, der australische Busch - zerstört sind, spielen die Meere, allen voran der Pazifische Ozean, in der aktuellen Klimakrise eine entscheidende Rolle. Der Pazifische Ozean, der ein Drittel der Erdoberfläche bedeckt, hat nun Mühe, mehr Sauerstoff für unseren Planeten zu erzeugen. Im Durchschnitt produziert das Phytoplankton, einer der kleinsten Organismen im Meer, fünfzig Prozent des Sauerstoffs, den wir atmen. Da die Lungen der Erde an Land zu kämpfen haben, erhöht sich der Druck auf die Lungen des Meeres; ein Druck, der durch steigende Meerestemperaturen und die Versauerung der Meere noch verschärft wird.

Außerdem laufen unsere Meere Gefahr, wegen der schmelzenden Kryosphäre (die Teile der Erdoberfläche, an denen Wasser in festem Zustand vorkommt, dazu gehören das Eis auf den Meeren, Seen, Flüssen, die Schneedecke, Gletscher, Eiskappen, das Inlandeis und Frostböden wie z.B. der Permafrost) „ihre Salzigkeit zu verlieren“.

Ein derart hoher Zufluss an Süßwasser ist in der Lage, einige der größeren Meeresströmungen zu verändern oder sogar ganz zum Erliegen zu bringen, die nicht nur die Nahrung und Fortpflanzungszellen von Fischen über weite Strecken transportieren, sondern auch die Meere mit Sauerstoff versorgen, so dass Meerestiere überhaupt im Meer überleben können. Jede Beeinträchtigung dieser Meeresströmungen könnte die Nahrungskette in den Meeren ernsthaft unterbrechen, was zweifellos auch Auswirkungen auf die Nahrungskette haben würde, an deren Ende wir Menschen stehen.[ii]

Wir Pazifikinsulaner würdigen die Artenvielfalt des Pazifischen Ozeans, die uns und die Welt ernährt: 70% der weltweiten Fischfänge stammen aus dem Pazifik. Ohne Korallenriffe würden unsere Inselufer weggespült werden. Im Pazifik gibt es die meisten Korallenarten der Welt. Unser lokales und globales Wetter und Klima hängen vom Meer ab. Das Meer ist Teil unserer kulturellen Identität, die von uns und der Welt geschätzt wird.

Auf sozialer und politischer Ebene werden wir pazifischen Kleinstaaten als Wansolwara (Papua-Neuguinea-Pidgin) anerkannt: ein (wan) Volk des Meeres (solwara). Kulturell sind wir die Menschen von Moana (polynesisches Wort für Meer) und von Wasawasa (fidschianisch). Unsere Geschichte der Seereisen und des Lebens nicht nur in Symbiose, sondern in Harmonie mit unserer Meeresheimat, verleiht unserem Lebensstil die „Würze Gottes“. Kolonialismus und der damit einhergehende Kapitalismus, aus dem sich später die wirtschaftliche Globalisierung entwickelte, haben dazu geführt, dass wir unsere „Salzigkeit“ verlieren. Die pazifischen Kirchen arbeiten hart daran, unseren Gemeinschaften zu helfen, ihre „Salzigkeit“ wiederherzustellen und lehnen Strukturen ab, die das verwässern wollen, was unserem pazifischen Lebensstil die „Würze Gottes“ gibt, das, was der Ökumenische Rat der Kirchen einst als die „Insel der Hoffnung“ bezeichnet hat.[iii]

Fragen zur Diskussion

  1. Welche Geschmacksrichtung hat die „Würze Gottes“ in euren Gemeinden (Land, Wasser, Tiere, Menschen, indigene Weisheit)?
  2. Auf welche Weise verliert diese „Würze Gottes“ ihren Geschmack oder droht ihn zu verlieren?
  3. Was könnt ihr tun, um eurer Gemeinde dabei zu helfen, die „Göttlichkeit zu schmecken“?

 

Praktische Maßnahmen:

  1. Sich in von Kirche / Bibelgesprächskreisen / Hauskreisen organisierten Säuberungsaktionen von Gewässern und Seen-/Fluss-/Küstengebieten engagieren und sich für die Reduzierung der Verschmutzung und des Mülls in Meeren, Flüssen und Seen einsetzen.
  2. Vorträge in Gruppen / der Öffentlichkeit und über die Bedeutung der Meere für die Gesundheit unseres Planeten halten und Treffen organisieren.[iv]
  3. Aktivitäten und Organisationen zum Schutz der Meere und Gewässer unterstützen.

 



[i] https://climate.nasa.gov/news/58/with-a-pinch-of-salt/

[ii] https://www.scienceabc.com/eyeopeners/would-oceans-become-less-salty-if-all-the-polar-ice-caps-melted.html

[iii] https://www.oikoumene.org/en/folder/documents-pdf/dossier-7.pdf

[iv] https://oceanservice.noaa.gov/facts/why-care-about-ocean.html and https://www.ipcc.ch/srocc/