Ecumenical Water Network

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Wasser, Lebensmittel und Handel: Auswirkungen auf die pazifischen Inseln

Die sechste Betrachtung zu den Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2020 kommt von Frau Athena Peralta, Programmleiterin der Programme zu wirtschaftlicher und ökologischer Gerechtigkeit, und Dr. Manoj Kurian, Verantwortlicher des Globalen Ökumenischen Aktionsbündnisses. In dieser Betrachtung geht es um die Gefahren von Marktkulturen wie dem Zuckerrohr, die hauptsächlich für den Export angebaut werden und eine Bedrohung für den Süßwasserpegel auf den Fidschi-Inseln darstellen.
Wasser, Lebensmittel und Handel: Auswirkungen auf die pazifischen Inseln

Photos: Albin Hillert/WCC, Nikos Kosmidis/WCC

Die sechste Betrachtung zu den Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2020 kommt von Frau Athena Peralta, Programmleiterin der Programme zu wirtschaftlicher und ökologischer Gerechtigkeit, und Dr. Manoj Kurian, Verantwortlicher des Globalen Ökumenischen Aktionsbündnisses. In dieser Betrachtung geht es um die Gefahren von Marktkulturen wie dem Zuckerrohr, die hauptsächlich für den Export angebaut werden und eine Bedrohung für den Süßwasserpegel auf den Fidschi-Inseln darstellen. Die übergroße Abhängigkeit der Inseln von importierten Lebensmitteln ist keine nachhaltige Praktik.

Text: 2 Mose 23:25-26

25 Aber dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr dienen, so wird er dein Brot und dein Wasser segnen, und ich will alle Krankheit von dir wenden, 26 Es soll nichts Unträchtiges noch Unfruchtbares sein in deinem Lande, und ich will dich lassen alt werden.“

Betrachtung

Die kleinen Inseln im Pazifik stehen gemeinsam vor wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen. Aufgrund ihrer Größe ist die Anbaufläche für Nahrungsmittel begrenzt und viele von ihnen sind deshalb in hohem Maß auf Importe angewiesen, um ihre Bevölkerung zu ernähren. Gleichzeitig trägt ihre entlegene Lage zusammen mit launischen Märkten zu sprunghaft steigenden Preisen für Nahrungsmittel bei, was unter der einkommensschwachen Bevölkerung zu Hunger und Mangelernährung führt. Obwohl sie am wenigsten etwas für die globalen Treibhausgasemissionen können, sind kleine Inseln besonders durch die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels gefährdet, durch die der Meeresspiegel steigt, die Küstenerosion zunimmt und die im Fall einiger niedrig gelegener Atolle schließlich zu Überschwemmungen, einer Verunreinigung des Wasservorrats und zu einer unsicheren Wasserversorgung führen und die unvorhersehbare und zunehmend katastrophalere Wetterereignisse zur Folge haben, welche die Existenzgrundlagen einfacher Bauern und Fischer auf den Kopf stellen.

Die bittersüße Geschichte des Fidschi-Zuckers spielt sich vor diesem Hintergrund ab und betont die Schnittpunkte von Wasser, Nahrungsmitteln und Handel; vor allem in der heutigen Zeit, die durch ein sich erwärmendes Klima und wirtschaftliche Globalisierung gekennzeichnet ist.

Nähert man sich mit dem Flugzeug dem Nadi International Airport auf Fidschi hat man einen guten Blick auf die riesigen Zuckerrohrplantagen auf der Insel Vitu Levu. Seit der Kolonialzeit produziert Fidschi Zucker für den Export, vor allem ins Vereinigte Königreich und andere europäische Länder. Auf dem Höhepunkt machte diese Branche den größten Teil der Wirtschaft aus und brachte Fremdarbeiter aus Indien herüber, die sich auf den Zuckerrohrfelder und in den Zuckerrohrfabriken abrackerten. Die Arbeitsbedingungen in diesem Industriezweig sind bis heute beschwerlich geblieben, und in den vergangenen Jahren protestierten die Farmer gegen fallende Preise für ihre Ernten.

Schwer gebeutelt durch das Auslaufen des Cotonou Handelsabkommens und durch Wirbelsturm Winston im Jahr 2016, hat der Fidschi-Zucker jetzt zu kämpfen, um im Wettbewerb mit dem billigeren Zucker aus dem benachbarten Australien und dem fernen Brasilien zu bestehen. Einst stellte er die Hauptbeschäftigungsquelle des Landes dar, inzwischen sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen.

Es gibt auch noch andere Auswirkungen. Wussten Sie, dass man rund 1.782 Liter Wasser benötigt, damit man ein Kilogramm Zucker erhält? Dabei handelt es sich um virtuelles Wasser, das zur Erzeugung landwirtschaftlicher und anderer Wirtschaftsgüter benötigt wird. Die Fidschi-Inseln, auf denen die mit dem Klimawandel verbundene Wasserknappheit allmählich spürbar wird, können das in die Zuckerproduktion eingebundene virtuelle Wasser nicht außer Acht lassen.

Daraus müssen Lehren gezogen werden. Marktkulturen für den Export, wie das Zuckerrohr, taugen kaum als Instrumente zur „Entwicklung“. Häufig sind sie in verzerrte Handelsbeziehungen eingebunden, die reicheren, mächtigeren Länder größere Vorteile bieten und die dem bedenklichen Wettergeschehen und der sich verschlimmernden Wasserknappheit Vorschub leisten. Zucker kann keine Gemeinden ernähren. Ein Land, das 60% seines Lebensmittelsbedarfs [1] importiert, weil der Schwerpunkt auf dem Zuckerrohranbau liegt, ist nicht nachhaltig, vor allem nicht wegen der Belastung der Wasserressourcen.

Der Text aus dem 2. Buch Mose verspricht Nahrung und Wasser im Überfluss, wenn wir Gott, unseren Schöpfer und Lebensspender, ehren. Gott zu ehren bedeutet, unseren Nächsten zu lieben und sorgsam mit der Schöpfung umzugehen. Wir können viel aus der überlieferten Weisheit der ozeanischen Ureinwohner lernen, in der die tiefgehende Verbindung zwischen der Natur und den Quellen der Lebensgrundlagen gewürdigt wird, und aus den Gebräuchen der Einheimischen, die sich in der Kava-Zeremonie widerspiegelt[2], bei der die Werte des Teilens und der Gegenseitigkeit propagiert werden sowie eine Rückkehr zum Anbau lokaler und vielfältiger Feldfrüchte im kleinen Maßstab, die nahrhaft und klimaresistent sind und die wertvollen Wasservorräte kaum belasten.

Fragen

  1. In welcher Verbindung stehen Wasser, Lebensmittel und Handel in Ihrem Umfeld?
  2. Können Sie weitere Beispiele für virtuelles Wasser nennen?

Aktionen

  1. Lassen Sie uns als Konsumenten darüber nachdenken, wie wir durch unseren Genuss importierter Nahrungsmittelprodukte vermutlich den Raubbau am Wasser in andere Länder oder Regionen auslagern.
  2. Lassen Sie uns darüber diskutieren, wie wir uns als Kirchen und Glaubensgemeinschaften für eine gerechte Handelspolitik einsetzen sowie eine lebensspendende Landwirtschaft fördern können, mit der die lokalen Farmer unterstützt, unsere Gemeinden ernährt und unsere Wasservorräte und die Umwelt geschützt werden.

Quellen

https://twitter.com/eurogeosciences/status/514853083629633537

https://www.oikoumene.org/en/resources/documents/wcc-programmes/diakonia/economy-of-life/roadmap-for-congregations-communities-and-churches-for-an-economy-of-life-and-ecological-justice


[1] http://www.fao.org/3/a-an415e.pdf

 

[2] https://royaldavuifiji.com/the-traditional-fijian-kava-ceremony/