Ecumenical Water Network

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Was bewegt sich über den Wassern: Die Süßwasser-Problematik des Pazifiks

Die zweite Betrachtung zu den Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2020 des Ökumenischen Wassernetzwerks des ÖRK kommt von Nikotemo Sopepa, einem ordinierten Geistlichen der Ekalesia Kelisiano Tuvalu.
Was bewegt sich über den Wassern: Die Süßwasser-Problematik des Pazifiks

Photo: CWM

Die zweite Betrachtung zu den Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2020 des Ökumenischen Wassernetzwerks des ÖRK kommt von Nikotemo Sopepa, einem ordinierten Geistlichen der Ekalesia Kelisiano Tuvalu. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist der derzeitige Missionssekretär des Rats für Weltmission (CWM) im Pazifikraum. In der nachfolgenden Betrachtung vergleicht er den lebensbejahenden Geist Gottes, der zu Anbeginn der Schöpfung über den Wassern schwebte, mit dem „Tod verbreitenden“ Geist über den Wassern der Pazifikregion, der durch die Vermarktung von Wasser zu einer Verknappung des Süßwassers führt.

 

Text: 1. Buch Mose 1: 2 (Luther Bibel)

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 2Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

Über den Wassern der Pazifikregion sind Planierraupen emsig damit beschäftigt, Wald für neue Erschließungsprojekte zu roden. Auch kräuselt sich das Wasser durch den ständigen Lärm der Kettensägen, die sich an der Schönheit der Regenwälder gütlich tun. Normalerweise rührt sich Hoffnung auf Leben in den Süßwasserpfützen auf den kleinen Inselatollen im Pazifik, doch jetzt dringt von unten Salzwasser ein, während wegen des steigenden Meeresspiegels von oben eine Flut an Salzwasser diese Süßwasserpfützen überspült.

Die Strömungen der Gewässer im Pazifik haben sich eindeutig verändert, und einige Menschen haben bereits Probleme, einen Kanister voll Trinkwasser zu finden. Ich weiß, umgeben von den Wassern des Pazifischen Ozeans glauben abgesehen von den Bewohnern einiger niedrig gelegener Atolle viele Pazifikinsulaner nicht, dass wir eine Süßwasserkrise haben. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis die Wasserfälle und Flüsse versiegen, weil die Erschließung im Pazifikraum so rapide voranschreitet. Und mit der Vermarktung und Privatisierung von Wasser zeichnet sich eine Gefahr für den Zugang zu frischem Trinkwasser ab.

Vergangenes Jahr sahen wir ungläubig und bekümmert zu, wie riesige Flutwellen die Insel Tamana in Kiribati überschwemmten und alle Brunnen unter hohen Wellen begraben wurden, die das Trinkwasser verunreinigten. Unmäßige und illegale Abholzungen auf Papua-Neuguinea und den Salomoneninseln sorgen für trockenes, unfruchtbares Land. Durch das gestörte Klima kommt es auf den meisten nordpazifischen Atollen nur noch selten zu Regenfällen, was zu etlichen Katastrophenzuständen geführt hat. Das, was im Pazifikraum über den Wassern schwebt, ist der Tod. Es gibt keine lebensspendende Zusicherung, die den Menschen in der Pazifikregion auch in Zukunft sicheres Trinkwasser garantieren kann.

Das oben beschriebene Muster ist beinahe die Umkehrung der Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Mose, in der der Geist Gottes als Garant für das Leben inmitten von Dunkelheit, Chaos und Leere über den Wassern schwebt. Als sich der Geist Gottes über den Wassern bewegte, schuf er einen Pfad für das Licht und gebar Leben und Gegenwärtigkeit. Jetzt haben wir den Tod, der über den Wassern des Pazifiks schwebt und den Tod der Umwelt gebiert, indem er Millionen von Mündern und Mäulern jeglicher Gattung dursten lässt. Die ganze biologische Ordnung, die Menschen, die Biosphäre, das Ökosystem, sie alle dürsten nach sauberem Trinkwasser. Selbst die Himmel über einigen Orten des Pazifiks dürsten nach Wasser.

Es muss ein Umdenken stattfinden, und die Bedeutung von Wasser im Pazifikraum muss aus einem pazifischen Kontext heraus überprüft werden. Die Menschen des Pazifiks müssen sich wieder auf den traditionellen Umgang mit Wasser besinnen und es wieder als Verbindung zwischen Himmel und Erde sehen. Nur wenn wir Wasser als Teil von uns betrachten und einsehen, dass es nicht vermarktet werden kann, werden wir auch in der Lage sein, unser Handeln mit der gesamten Schöpfung in Einklang zu bringen. Sobald wir das tun, wird der Geist Gottes, der zu Anbeginn der Zeit über den Wassern schwebte, sich mit uns gemeinsam über den Wassern bewegen und für eine Erneuerung des Lebens im Himmel und hier auf Erden sorgen.

 

Fragen

  1. Ist Wasser in Ihrem Umfeld von kultureller Bedeutsamkeit? Falls ja, wie können diese Auswirkungen den Weg freimachen, um sicheres und sauberes Wasser für Ihre Gemeinde sicherzustellen?
  2. Können wir ein paar Dinge ausfindig machen, mit denen wir zum „Tod, der über den Wassern schwebt“ beitragen? Z.B. Wasser in Plastikflaschen kaufen.

 

Aktionen

  1. In dieser Fastensaison müssen wir auf einige einfache, tägliche Gewohnheiten und Gebräuche verzichten, die wir für gesund halten, die jedoch für die Umwelt, insbesondere für das Wasser, schädlich sind. Ich habe Wasser in Flaschen kaufen in den Fragen weiter oben hervorgehoben. Können wir beim Fasten auf praktikable Weise auf solche Gewohnheiten verzichten?
  2. Wir können als Kirchen oder Gemeinden zusammenkommen und darüber sprechen, auf welche Weisen wir Widerstand gegen Erschließungsprojekten von Unternehmen und sogar von Regierungen leisten können, die die Schönheit unserer Umwelt im Namen von Profit und Wirtschaftswachstum zersetzen.

 

Zusätzliche Quellen:

https://pacinst.org/wp-content/uploads/2013/02/worlds_water_2002_chapter53.pdf

https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/rr-fiji-water-shortages-resilient-development-300817-en.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=Nna2vjm9PrA